Als junger Mann entdeckt Axel Kühling seine Liebe zu alten Ansichtskarten. Die Motive: Magdeburg, aus Zeiten vor dem 2. Weltkrieg, auch manche die danach entstanden sind. Der Anblick auf diesen Karten waren Stadtteile, Plätze und Straßenzüge, die er nicht zuordnen konnte. Fragen kamen in ihm auf. “In den Jahren, in denen ich aufwuchs, zu DDR-Zeiten hier in Magdeburg, war vieles grau in grau, Lücken von abgerissenen Gebäuden bestimmten das Stadtbild,” erzählt Axel Kühling.

Die Veränderungen, die die Bombennacht am 16. Januar 1945 und ihre Folgen mit sich brachte, zeigen sich noch heute. Lücken in Häuserreihen in der Altstadt, besonders am Breiten Weg, wurden langsam in den folgenden Jahrzehnten geschlossen, einige klaffen immer noch leer.

Nach der Wende zog es Kühling in den deutschen Westen. Er arbeitete dort in einer Werbeagentur, versuchte später in Magdeburg Fuß zu fassen. 1996 hatte er keine Lust mehr dieser Tätigkeit nachzukommen - und widmete sich seiner Leidenschaft, machte diese zu seinem Beruf.

Bilder

Der Beginn

1998 gründete der Magdeburger den Delta-D Verlag. Er sammelte fotografische Zeitzeugen, schrieb Texte dazu, veröffentlichte diese. Später kamen weitere Autoren hinzu. An die 30 Veröffentlichungen brachte der Verlag seither in den Handel. Dazu kommt die Reihe “Magdeburger Stadtzeuge(n)”. Allen gemein: die Liebe zu seiner Heimatstadt, gefüllt mit Ansichtskarten und Fotografien, redaktionell aufbereitet.

Massen an Bilder und Ansichtskarten verarbeitete er in seinen Büchern. Diese stammen oft von Freunden und Bekannten, Fotografen und Zeichnern, erklärt er. Stolz berichtet Kühling über sein Archiv: “Ich muss mir erst einmal keine Sorgen machen, dass mir die Bilder ausgehen. Viele der Bilder habe ich übernommen, manche bekomme ich geschenkt und gelegentlich kaufe ich auch welche ab”. Das Netzwerk, das er sich in den vergangenen zwanzig Jahren aufgebaut hat, sei goldwert. Oft reiche nur ein Anruf, um das gewünschtes Bild zu erhalten.

Das Interesse an den Heften und Büchern des Verlags war Anfangs groß. 500 bis 600 Exemplare verkaufte er quasi sofort, teils bis zu rund 5000 Stück pro Buch. Später seien die Zahlen rückläufig gewesen. Eine neue Idee musste her, um seinen Betrieb aufrechtzuerhalten.

Ohne Veranstaltungen kein Veranstaltungskalen

Seit rund 15 Jahren veröffentlicht der Delta-D Verlag den monatlich erscheinenden Freizeitplaner “Wohin”. Besser: veröffentlichte. Wegen Corona finden keine Veranstaltungen mehr statt. Ein herber Einschnitt für Axel Kühling, der den Freizeitplaner erschuf, um seinen Verlag finanziell am Laufen halten zu können. “Es ist eine Katastrophe”, erzählt Kühling über die Situation seines Verlages. “Als die Krise begann, musste ich drei Mitarbeiter kündigen, einen auf 450 Euro-Basis setzen”. Ein großer Fehler, wie Kühling zugibt: “Ich habe zu schnell gehandelt, nachdem die ersten Veranstaltungen abgesagt wurden - niemand konnte ahnen, in welche Richtung sich die Lage wendet”. Er, so erklärt er, sei jedoch gewillt diese so schnell wie möglich wieder einzustellen.

Ein Schicksal, das viele Unternehmer und dem Kleingewerbe betraf und immer noch betrifft.

Als Nächstes arbeitet der Verleger an einer Art “Freundschaftsalbum”, wie Axel Kühling es bezeichnet. Damit will er den “enormen Facettenreichtum Magdeburgs aufzeigen”, da Magdeburg wie ein Patchwork sei, das es zu beleuchten gelte - vor allem die vielen verschiedenen Baustile in der Stadt, sprechen ihn dabei an. Zudem füttert er weiterhin seine 600 Abonnenten auf Facebook regelmäßig mit spannenden Infos und Bildern.

Axel Kühling baute sich mit seinem kleinen Verlag eine leidenschaftliche Leserschaft auf. Der Ursprung ging aus seiner Passion hervor - die nach einer Stadt, die nie fertig und doch so alt ist. Daraus geboren wurde sein Verlag, der nun mit den Folgen von Corona zu kämpfen hat.