DIW-Studie zu Kohlebedarf: Dorf Mühlrose muss nicht weichen

Von dpa 01.09.2021, 12:38
Ein Schaufelradbagger und eine Planierraupoe stehen in einem Braunkohletagebau.
Ein Schaufelradbagger und eine Planierraupoe stehen in einem Braunkohletagebau. Federico Gambarini/dpa/Symbolbild

Dresden - Nach einer aktuellen Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kann das Dorf Mühlrose im Lausitzer Braunkohlerevier erhalten bleiben. Das Tagebaufeld werde nicht benötigt, für eine Umsiedlung bestehe „keine energiewirtschaftliche Notwendigkeit“, fasste der Co-Autor der von der Grünen-Fraktion im sächsischen Landtag beauftragten Analyse, Professor Pao-Yu Oei, die Erkenntnis am Mittwoch zusammen. Danach überschätzt der vom Energiekonzern LEAG ausgegebene Kohlebedarf von 740 Millionen Tonnen Kohle ab 2021 die maximal noch benötigten Mengen. Die liegt nach Berechnungen der Wissenschaftler nur bei 369 Millionen Tonnen bei einem Kohleausstieg 2030 oder 559 Millionen Tonnen 2038.

„Ohne das Sonderfeld Mühlrose sind noch 598 Millionen Tonnen förderbar“, sagte Oei. Für dessen Inanspruchnahme bestehe daher auch keine klimapolitische Rechtfertigung. Zusätzlich müssten die Tagebaue Reichwalde und Nochten 1 verkleinert werden. „Das öffentliche Interesse an einer Anpassung und Umplanung des Revierkonzepts ist höher zu gewichten als der Vertrauensschutz des Bergbautreibenden.“

Es sei ein weiterer Beleg, „dass auch hier in Sachsen zur Umsetzung des Kohlekompromisses keine weiteren Dörfer weichen müssen“, sagte der Energie-Experte der Grünen-Fraktion, Daniel Gerber. Die Vernichtung kultureller Substanz in der Lausitz für den Kohleabbau nach 2030 sei nicht zu rechtfertigen. Die Grünen fordern die Lausitzer Energiewerke AG (LEAG) auf, ihr im Januar vorgelegtes Revierkonzept anzupassen, das das neue Klimaschutzgesetz des Bundes nicht berücksichtige.

Das 200-Seelen-Dorf Mühlrose im Landkreis Görlitz ist nach jetzigen Planungen der letzte Ort in Deutschland, der der Braunkohle weichen muss. Dagegen regt sich Widerstand, unter anderem durch Umweltverbände und Parteien, zuletzt Ende August mit dem beginnenden Abriss der ersten Gebäude. Etwa fünf Haushalte wollen gern in der alten Heimat bleiben. Das Ergebnis der DIW-Studie bestätigt Kritiker und ein früheres Gutachten.