Fußball

Erfolge nach Plan: Viktoria verschafft sich Respekt

Aufsteiger Viktoria Berlin rockt die 3. Liga mit einfachen Mitteln. Trainer Muzzicato gibt den Matchplan vor, die Spieler setzen ihn um.

Von Thomas Flehmer, dpa
Ein Fußball liegt vor der Partie im Netz.
Ein Fußball liegt vor der Partie im Netz. Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

Berlin - Erst der letzte Plan von Trainer Benedetto Muzzicato vom Fußball-Drittligisten Viktoria Berlin ging nicht auf. „Ich habe mich erst geweigert, morgen frei zugeben. Aber Käpt'n Menz hat mich überredet“, sagte der 42-Jährige, der mit seiner Planänderung für ein großes Freudengeschrei seiner Spieler sorgte. In den 90 Spiel-Minuten zuvor lief beim attraktiven 3:1 (1:1)-Sieg des Aufsteigers gegen den Tabellenvierten SV Wehen-Wiesbaden fast alles organisiert ab. „Wir kriegen einen guten Plan von Trainer mit, den setzen wir ganz gut um“, sagte der einmal mehr überragende Tolcay Cigercy auf Magentasport.

Der 26 Jahre alte Mittelfeldspieler hatte mit einem herrlichen Schlenzer aus 20 Metern sein Team 44 Sekunden nach Wiederanpfiff auf die Siegstraße gebracht, nachdem in der ersten Hälfte Wiesbadens Stürmer John Iredale in der 29. Minute die frühe Berliner Führung durch Lucas Falcao in der 4. Minute ausgeglichen hatte.

Obwohl der Neuzugang vom Nordost-Regionalligisten VSG Altglienicke mit seinem bereits sechsten Treffer Eigenwerbung betreiben könnte, verwies die Offensivkraft auf die mannschaftliche Stärke: „Ich bin sehr stolz auf das ganze Team.“ Unterstrichen wurde die Teamleistung durch die beiden eingewechselten Moritz Seiffert und Soufian Benyamina beim 3:1 zwei Minuten vor dem Abpfiff. Seiffert lupfte den Ball im Strafraum über einen Gegenspieler zu Benyamina, der nur noch einzuschieben brauchte.

Mit 17 Punkten nach acht Spieltagen hat sich der Aufsteiger als Tabellenzweiter zwei Punkte hinter dem 1. FC Magdeburg in der Liga gehörigen Respekt verschafft. „Ob der eine uns ernst nimmt, ist uns scheißegal“, sagte Cigercy, „wir gucken von Spiel zu Spiel und schauen, was am Ende rauskommt.“

Das größte Lob kam dabei von Wiesbadens Trainer Rüdiger Rehm, der bei seinem Team, das in der ersten Halbzeit einige hochkarätige Chancen ausließ, die Cleverness vermisste: „Das ist ein Zeichen, dass wir nicht da oben hingehören.“ Viktoria anscheinend dagegen schon.

Auch Muzzicato freute sich über den vierten Heimsieg sowie deren Entstehung. „Man hat unseren Spielstil toll erkannt, unser Matchplan ist aufgegangen und wir hatten große Lust, Fußball zu spielen“, sagte der Deutsch-Italiener, „das war heute eine Top-Performance. Es macht Spaß, den Jungens zuzuschauen.“

Trotzdem sieht Muzzicato die Entwicklung noch nicht abgeschlossen. „Der Lernprozess geht nicht von heute auf morgen“, sagte Muzzicato, dem vor allem die vielen Haken bei den Konterangriffen gestört hatten, die eine frühere Vorentscheidung verhinderten. Angesichts der einmal mehr sehr guten Vorstellung zeigte sich der Trainer aber gnädig: „Das sei heute verziehen.“