Fachkräfte demonstrieren für Personalausbau in Kitas

Von dpa 09.06.2021, 11:50
Der Schriftzug „Nur 1/2 Herz für Kitas?“ ist auf einem Transparent bei einer Demonstration von Erziehern vor dem niedersächsischen Landtag zu lesen.
Der Schriftzug „Nur 1/2 Herz für Kitas?“ ist auf einem Transparent bei einer Demonstration von Erziehern vor dem niedersächsischen Landtag zu lesen. Moritz Frankenberg/dpa

Hannover (dpa/lni) - Rund 60 Fachkräfte von Kindertagesstätten und Experten der frühkindlichen Bildung haben am Mittwoch vor dem Landtag für einen schnelleren Personalausbau in Kitas demonstriert. Vor den Beratungen im Plenum haben sie ihrem Unmut über die geplanten Änderungen am Kita-Gesetzes Luft gemacht. Zu der Kundgebung vor dem niedersächsischen Landtag hatte die Gewerkschaft Verdi aufgerufen.

Am Wochenende hatten sich die Regierungsparteien SPD und CDU darauf geeinigt, mit einem Stufenplan schrittweise mehr Personal einzuführen. Der Beginn des Personalausbaus wird in zwei Jahren ab August 2023 gesetzlich verbindlich vorgeschrieben. Dann sollen zunächst mindestens 2000 zusätzliche Auszubildende mit je 15 Stunden in die Kitagruppen kommen, in denen die drei bis sechs Jahre alten Kinder betreut werden. Ab 2027 sollen Kitagruppen dann eine sogenannte dritte Kraft mit 20 Wochenstunden bekommen, wenn die Kinder dort ganztags betreut werden.

Gewerkschaftssekretärin Katja Wingelewski sagte, das sei ein „erster zaghafter Schritt, jedoch längst nicht ausreichend“. Erst in sechs Jahren eine sogenannte dritte Kraft verbindlich einzuführen, helfe weder Kindern noch Erzieherinnen, die bereits jetzt an ihrer Belastungsgrenze arbeiten. „Auch für unsere weiteren Forderungen nach mehr Zeit für pädagogische Arbeit, Fachberatung und Leitungsarbeit finden sich weiterhin keine Verbesserungen im Gesetzesentwurf“, sagte Wingelewski.

Die Lebenshilfe Niedersachsen kritisierte, dass für die Teilhabe von Kinder mit Beeinträchtigung keine weiteren Veränderungen vorgesehen sind. „Wir brauchen kleine Gruppen, damit alle Kinder zu ihrem Recht kommen können. Wir brauchen verlässliche Aussagen und Perspektiven zur Gestaltung der Inklusion in Kindertagesstätten und wir brauchen ein Wunsch- und Wahlrecht auf inklusive Bildung, Erziehung und Betreuung“, sagte Landesgeschäftsführer Frank Steinsiek.