Impfschema bei Astrazeneca wird verändert

Nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca gibt es künftig bei der zweiten Spritze den Biontech- oder Moderna-Impfstoff. Niedersachsen und Bremen setzen diese Expertenempfehlung ab sofort um. Der Impfabstand wird auf vier Wochen verkürzt. Wie wird das organisiert?

Von dpa 02.07.2021, 16:02
Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze.
Eine Flüssigkeit tropft aus der Kanüle einer Spritze. Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Illustration

Hannover/Bremen - In Niedersachsen und Bremen erhalten Menschen nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca künftig unabhängig vom Alter als zweite Spritze den Biontech- oder Moderna-Impfstoff. Damit werde die jüngste Empfehlung der Ständigen Impfkommission umgesetzt, teilten die Gesundheitsbehörden beider Länder am Freitag mit. Außerdem wird das Impfintervall nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca auf sechs Wochen verkürzt. Als Grund für den Umstieg auf eine Kombination des Astrazeneca-Vakzins mit einem anderen Impfstofftyp nennen die Experten eine höhere Wirksamkeit.

In Niedersachsen wird die neue Impfregelung bereits seit Freitag umgesetzt, wenn vor Ort genügend erforderlicher Impfstoff verfügbar ist. Ab der kommenden Woche erfolgt die Umstellung dann automatisch, ohne dass die Betroffenen dafür noch selbst mit der Impfhotline oder dem Impfzentrum Kontakt aufnehmen müssen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Wer dennoch lieber Astrazeneca für seine Zweitimpfung erhalten möchte, kann dies vor Ort sagen und wird dann mit diesem Präparat geimpft.

Insgesamt warten derzeit rund 390.000 Menschen in Niedersachsen nach einer Erstimpfung mit Astrazeneca auf ihre Zweitimpfung. Alle Termine in den Impfzentren könnten wie geplant stattfinden, es komme nicht zu Terminausfällen oder automatischen Verschiebungen, betonte das Ministerium. Vielmehr solle es für Betroffene über das Impfportal zeitnah möglich werden, den Zweittermin nach vorne zu verlegen. „Wir werden diese Möglichkeit jetzt so schnell wie möglich schaffen“, sagte Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD).

Die nun in größerer Zahl verfügbar werdenden Dosen von Astrazeneca fänden bestimmt Verwendung, da das Land den Impfstoff bereits für Impfungen für Menschen unter 60 Jahren freigegeben habe, sagte ein Ministeriumssprecher.

Auch in Bremen wird die neue Impfregelung seit Freitag umgesetzt. Wer seinen Zweitimpfungstermin vorverlegen wolle, könne dies über die Hotline oder das Impfportal tun, teilte der Gesundheitssenat mit. Für das Impfzentrum Bremerhaven sind Termine für die Zweitimpfung aufgrund der Impfstoffkapazität frühestens ab dem 26. Juli möglich. Bestehende Termine bis zum 26. Juli bleiben erhalten und können nicht verlegt werden; hier kann vor Ort der Impfstoff gewechselt werden.

Unterdessen haben in niedersächsischen Impfzentren etliche Ärzte impfwillige Kinder und Jugendliche trotz eines vereinbarten Termins abgewiesen. Die Impfärzte hätten bei kerngesunden Kindern auf die Empfehlung der Ständigen Impfkommission zur Impfung nur von vorerkrankten Kinder verwiesen und die Impfung abgelehnt, sagte der Sprecher des Gesundheitsministeriums, Oliver Grimm. „Wir möchten gerne, dass Kinder und Jugendliche ein Impfangebot erhalten, aber können es den Ärzten nicht vorschreiben.“

Impfzentren mit Ärzten mit Vorbehalten sollten deshalb nun reagieren, damit die Terminbuchung dort für Kinder und Jugendliche blockiert wird. Es bestehe weiterhin die Hoffnung, dass die Impfkommission eine allgemeine Impfempfehlung für Kinder und Jugendliche ausspricht.

Die Landesarmutskonferenz (LAK) Niedersachsen rief derweil dazu auf, die Corona-Impfkampagne in sozialen Brennpunkten zu forcieren. Dazu sei es unter anderem notwendig, dass die Daten zu Infektionsgeschehen und Impffortschritt nach Stadtteilen aufgeschlüsselt zur Verfügung gestellt würden, sagte LAK-Geschäftsführer Klaus-Dieter Gleitze.

Zudem müsse durch den verstärkten Einsatz mobiler Impfteams das Impftempo in benachteiligten Gegenden erhöht werden. Notwendig seien auch niederschwellige Aufklärungsangebote, da die Impfbereitschaft in diesen Gegenden geringer sei. Die LAK ist ein Zusammenschluss von Verbänden, Gewerkschaften und Initiativen mit dem Ziel der nachhaltigen Armutsbekämpfung.

In diesem Zusammenhang rief auch der CDU-Landtagsfraktionsvorsitzende Dirk Toepffer dazu auf, die von der Landesregierung vorbereitete Info-Kampagne, die für das Impfen werben soll, zügig zu starten. „Die Kampagne ist jetzt dringend erforderlich.“ Dabei müsse es darum gehen, insbesondere Migranten sowie Impfskeptiker zu erreichen - dazu dürfe sich die Kampagne nicht allein auf hübsche Bildmotive beschränken.