Gesundheit

Impfzentren in Sachsen schließen: „Ein bisschen Wehmut“

Im Januar gingen die ersten Impfzentren an den Start, hunderttausende Impfdosen wurden verabreicht. Bis Ende September schließen die Zentren in Sachsen nach und nach. DRK-Chef Rüdiger Unger hält die Entscheidung für richtig.

Von dpa 25.09.2021, 10:47 • Aktualisiert: 27.09.2021, 09:16
Menschen gehen durch ein Impfzentrum in Dresden.
Menschen gehen durch ein Impfzentrum in Dresden. Sebastian Kahnert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild

Dresden - Nach gut acht Monaten schließen in Sachsen Ende September die Impfzentren. „Wie immer, wenn man eine Aufgabe mit viel Herzblut gemacht, ist ein bisschen Wehmut dabei“, sagte der Chef des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen, Rüdiger Unger, der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt mehr als 1000 Menschen haben in den vergangenen Monaten in den Impfzentren „unglaublich engagiert“ gearbeitet - neben Ärzten und DRK-Mitarbeitern auch viele Ehrenamtliche, Mitarbeiter von Bundeswehr und Technischem Hilfswerk (THW). Zahlreiche Menschen seien aus fremden Berufen oder aus der pandemiebedingten Kurzarbeit in die Impfzentren des DRK gewechselt. „Einige von ihnen bleiben, gehen in einen sozialen Beruf“, so Unger.

Die 13 Impfzentren in Sachsen waren Mitte Januar in den drei großen Städten und den zehn Landkreisen an den Start gegangen. Dresden etwa öffnete zum letzten Mal am 24. September. Die Impfzentren in Chemnitz, Treuen, Annaberg, Borna, Leipzig, Mittweida und Pirna verabreichen am 30. September die letzten Corona-Schutzimpfungen. Das DRK hat die Corona-Impfkampagne für den Freistaat koordiniert. Ab Oktober sollen die Hausärzte das Impfen hauptsächlich übernehmen - unterstützt unter anderem durch 30 mobile Teams.

Die Entscheidung der Landesregierung, die Impfzentren zu schließen, sei richtig, betonte Unger. „Wir sind eine Katastrophenschutzorganisation für Krisen, irgendwann muss das in eine Regelstruktur übergehen.“

In den ersten Monaten arbeiteten die Impfzentren weit unter der Kapazitätsgrenze. „Weil nicht genügend Impfstoff da war“, so Unger. In den vergangenen Wochen hingegen wurden die Ressourcen nicht ausgeschöpft. „Letztlich sind wir nur eine kurze Zeit unter Volllast gefahren.“ Unger erinnert sich an den Tag, an dem die meisten Corona-Schutzimpfungen in den Impfzentren verabreicht wurden - den 19. Mai 2021: Rund 20.700 Spritzen vergaben die Mitarbeiter in den Impfzentren. In den vergangenen Tagen hat sich die Zahl laut DRK auf 3500 und 5500 Impfungen pro Tag eingependelt. Impfstrecken wurden heruntergefahren, weniger Personal eingesetzt.

Durch die zentrale Steuerung hätten nur wenig Impfstoffe entsorgt werden müssen, betonte Unger. Die Quote bezifferte er auf durchschnittlich 0,3 Prozent. In den vergangenen Wochen ging sie mit 0,5 Prozent leicht nach oben. „Wenn ich vor einem Einkaufszentrum stehe und nicht weiß, wer kommt, dann bleiben am Ende des Tages Impfdosen übrig.“ Durch die zentrale Steuerung habe das aber ausgeglichen werden können. „Das heißt natürlich auch viel Aufwand und Transporte durch die Gegend“, sagte Unger. Insgesamt wurden in den Impfzentren bisher rund 2,6 Millionen Impfdosen verabreicht.

Seit mehr als 20 Jahren ist Unger DRK-Chef in Sachsen - mehrere Hochwasser sowie die Flüchtlingskrise 2015 fallen in diese Zeit. Als die Organisation Ende 2020 den Aufbau der Impfkampagne in der Corona-Krise übernahm, sei das eine besondere Herausforderung gewesen. „Es gab keine Blaupause.“ Die Logistik für Impfstoffe, der Aufbau von Hotline, Buchungsportal und Callcenter - alles Neuland. Kalkuliert hatten etwa die Experten für das Callcenter mit 210.000 Anrufen pro Monat - an einem Tag in der Anfangszeit gab es mehr als 1,8 Millionen Anrufversuche. „Das hat ja keiner von uns vorher jemals gemacht.“