Kontroverse Anhörung zu Nachtflügen ab Hannover

Können und müssen die Anwohner des Flughafens Hannover besser vor nächtlichem Fluglärm geschützt werden? Das wollen die Fraktionen von SPD und CDU untersuchen lassen. Eine Anhörung liefert reichlich konträre Ansichten.

Von dpa
Der Schriftzug Hannover Airport.
Der Schriftzug Hannover Airport. Holger Hollemann/dpa

Hannover - Trotz einer Verschärfung der Nachtflugregelung ab Hannover vor eineinhalb Jahren wollen die Regierungsfraktionen im Landtag einen besseren Schutz der Flughafen-Anlieger prüfen. Ob dies allerdings ohne eine Gefährdung der wirtschaftlichen Existenz des Airports möglich ist, wurde bei einer Anhörung der Fraktionen von SPD- und CDU am Montag in Hannover kontrovers diskutiert. „Wir wollen niemandem das Fliegen verbieten“, sagte CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer. Allerdings müsse geprüft werden, wie die Nachtflüge künftig gestaltet werden. Deren Zahl habe in den letzten Jahren kräftig zugenommen, während die Zahl der Flüge insgesamt zurückgegangen sei.

„Der Nachtflugverkehr ist existenziell für unser Geschäftsmodell“, sagte Airport-Chef Raoul Hille. Dass nun gerade in der Erholungsphase nach der Corona-Krise eine Diskussion über die Nachtflüge angeschoben werde, halte er für unglücklich. Mit weniger Nachtflügen werde der Flughafen unwirtschaftlich und auf Stadt und Land als Gesellschafter kämen Millionenverluste und Schadensersatzansprüche des ebenfalls beteiligten privaten Finanzinvestors zu. Die schon bald zum Einsatz kommende neue Flugzeuggeneration verursache zudem deutlich weniger Lärm als die bisherigen Maschinen. Zusätzliche Lärmreduzierung sei mit einer „Feinanpassung“ von Flugrouten und Startverfahren möglich.

Einen Einstieg in den Ausstieg aus den Nachtflügen verlangte unterdessen der Sprecher der Bürgerinitiative BON-HA, Dieter Poppe. „Der Flughafen sollte nicht gezwungen sein, Gewinne auf Kosten der Gesundheit der Anwohner zu machen.“ Wie der Mainzer Kardiologe und Fluglärmexperte Prof. Thomas Münzel erklärte, verursache Fluglärm bei Betroffenen Stress, der wiederum Bluthochdruck und Herzkrankheiten auslöse. Selbst bei einem Menschen, der durch ein überfliegendes Flugzeug nicht aus dem Schlaf gerissen werde, steige der Blutdruck an.

Verkehrsstaatssekretär Berend Lindner (CDU) betonte, dass der Flughafen sämtliche Lärmgrenzwerte einhalte und es keine Rechtsgrundlage gibt, in das bestehende Betriebsmodell einzugreifen. Der Leiter der Beteiligungsabteilung der Landeshauptstadt, Holger Ulbrich, führte an, dass Eingriffe in die Nachtflugmöglichkeiten den Flughafen 30 Prozent seines Umsatzes und 2400 Arbeitsplätze kosten würden. Die Hälfte der Luftfracht und 20 Prozent der Passagiere höben nachts vom Airport ab.

Die Fraktionen haben im nächsten Schritt eine Studie geplant, die Möglichkeiten einer nächtlichen Fluglärmreduzierung untersuchen soll. Die seit Anfang 2020 geltende Nachtflugregelung mit einer Laufzeit von zehn Jahren hatte bereits bestimmt, dass besonders laute Flugzeuge nachts nicht mehr in Hannover starten und landen dürfen.