Brauchtum

Kunsthandwerk hofft auf bessere Saison: Messe mit Neuheiten

Keine Reisen, geschlossene Geschäfte, abgesagte Weihnachtsmärkte: Der Corona-Lockdown hatte Ende 2020 das erzgebirgische Kunsthandwerk zur Hauptsaison getroffen. Werden die Käufe von Pyramiden, Räuchermännern und Schwibbögen nun nachgeholt?

Von dpa 04.09.2021, 08:17
Frederic Günther, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker. lächelt.
Frederic Günther, Geschäftsführer des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker. lächelt. Hendrik Schmidt/dpa-Zentralbild/dpa

Olbernhau/Leipzig - Das Kunsthandwerk im Erzgebirge steuert auf seine Hauptsaison zu und hofft auf bessere Geschäfte als unter den Lockdown-Bedingungen Ende 2020. „Wir bauen darauf, dass Geschäfte offen und Reisen möglich bleiben“, sagte der Chef des Verbandes Erzgebirgischer Kunsthandwerker und Spielzeughersteller, Frederic Günther, der Deutschen Presse-Agentur. „Ein neuerlicher Lockdown wäre eine Katastrophe.“ Derzeit sei ein Nachholbedarf bei vielen Kunden zu beobachten. „Die Leute haben gespart und wollen sich wieder etwas gönnen.“ Beim „Forum Erzgebirge“ auf der Geschenkemesse Cadeaux in Leipzig zeigen Kunsthandwerker nun bis Montag ihre Neuheiten.

Die Messe sei alljährlich der Startschuss in die Saison und in diesem Jahr die Möglichkeit, nach längerer Pause wieder direkte Gespräche mit Händlern zu führen und Kontakte zu knüpfen, erklärte Günther. Unter dem Titel „Musik für die Augen“ liegt dabei ein Schwerpunkt auf musikalische Motive wie Spieldosen und Engelorchester. Zudem wird in einer Sonderschau Schmuck gezeigt, der aus Roh- und Einzelteilen erzgebirgischer Volkskunst entstanden ist. Dazu gehören Broschen, Anhänger und Ohrschmuck.

Die Corona-Beschränkungen im vergangenen Jahr mit der Absage von Weihnachtsmärkten und der Schließung von Geschäften hatte auf viele Betriebe der Branche durchgeschlagen. In einer Umfrage des Verbandes zu Jahresbeginn hieß es, dass die Erlöse der Hersteller 2020 im Schnitt um 14 Prozent, im stationären Handel um 25 Prozent gesunken seien. Doch waren die Unternehmen unterschiedlich stark betroffen. Auch der Ausblick auf 2021 war damals pessimistisch. Mehr als die Hälfte der Verbandsmitglieder rechnete demnach mit weniger Umsatz als im Vorjahr, nur jeder zehnte mit höheren Erlösen. Neuere Daten liegen nicht vor.

Günther hofft, dass dieses Jahr in der Vorweihnachtszeit nun wieder viele Besucher ins Erzgebirge reisen können. Zwar hatte das Online-Geschäft einiges wettgemacht, aber für die Unternehmen sei der Souvenirtourismus sehr wichtig. Auch brauche die Branche rasch mehr Klarheit von den Kommunen, in welchem Rahmen die Weihnachtsmärkte dieses Jahr stattfinden werden, mahnte der Verbandschef. In der Regel machten die Betriebe in den letzten Monaten des Jahres ab September rund 75 Prozent ihres Jahresumsatzes.

Gefragt seien bei den Kunden sowohl klassische Arbeiten als auch moderne Formen und Designs, betonte Günther. So seien in Leipzig auch Arbeiten aus dem Branchenwettbewerb „Tradition & Form“ zu sehen. Ausgezeichnet wurden dieses Jahr etwa die zerlegbaren Engel- und Bergmannfiguren der Drechslerei Schalling in Seiffen und der Räuchermann Ruprecht der Holzdrechslerei Wolf in Eppendorf; ein Publikumspreis ging an eine hölzerne Blaskapelle rotnasiger Figuren des Gestalters Björn Köhler.