Missbrauch von Münster: Lange Haft für Brandenburger

Von dpa
Der damals 27-Jährige Hauptangeklagte (vorne), seine Mutter (ganz hinten links) und ein dritter Angeklagter (roter Hefter.
Der damals 27-Jährige Hauptangeklagte (vorne), seine Mutter (ganz hinten links) und ein dritter Angeklagter (roter Hefter. Rolf Vennenbernd/dpa-Pool/dpa/Archivbild

Münster/Schorfheide - Im Prozess um den Missbrauchskomplex Münster ist ein 43-jähriger Mann aus Schorfheide (Barnim) zu elf Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt worden. Der Mann soll laut dem Urteil des Landgerichts Münster vom Dienstag gemeinsam mit weiteren Angeklagten in einer Kleingartenanlage im westfälischen Münster in fünf Fällen Kinder schwer sexuell missbraucht haben.

Als Haupttäter wurde ein 28-jähriger IT-Techniker wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in 29 Fällen zu 14 Jahren Haft verurteilt. Zwei weitere Männer aus Hannover und dem hessischen Staufenberg sollen für zehn beziehungsweise zwölf Jahre ins Gefängnis. Gegen alle Männer verhängte das Gericht für die Zeit nach der Haft Sicherungsverwahrung. Wegen Beihilfe soll die 46 Jahre alte Mutter des IT-Technikers für fünf Jahre in Haft. Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig.

Zur Begründung beschrieb der Vorsitzende Richter Matthias Pheiler die zum Teil schweren Missbrauchstaten, verzichtete aber zum Schutz der Opfer auf drastische Details der Vergewaltigungen. Das Gericht sprach von absolut verstörenden Taten. „Das übersteigt alles, was dieser Kammer bislang vorgelegt wurde“, sagte Pheiler. Die Taten seien gewohnheitsmäßig und mitleidslos erfolgt.

Bei den angeklagten Taten handelt es sich nach Einschätzung des Gerichts besonders im Fall des 28-Jährigen, der im Prozess zu den Vorwürfen schwieg, nur um die Spitze des Eisbergs. Während der Verhandlung sei weiteres Material durch die Polizei entschlüsselt worden. Auf den Aufnahmen seien Täter und Opfer zum Teil eindeutig anhand von unverwechselbaren Körpermerkmalen zu erkennen gewesen.

Der Fall kam im Juni vergangenen Jahres nach Ermittlungen in einer Gartenlaube ans Licht. Im Zuge dessen hatte es in mehreren Bundesländern und im Ausland Festnahmen gegeben. In dem Komplex wurden bereits fünf Männer zu Freiheitsstrafen verurteilt. Insgesamt wurden durch die Ermittler mehr als 50 Tatverdächtige identifiziert, von denen derzeit etwa 30 in U-Haft sitzen.