Nord Stream 2: Naftogaz-Chef zweifelt an deutschen Garantien

Von dpa
Ukraines Energieminister Alexej Orschel und Naftogaz-Chef Juri Witrenko in Kiew.
Ukraines Energieminister Alexej Orschel und Naftogaz-Chef Juri Witrenko in Kiew. Efrem Lukatsky/AP/dpa/archivbild

Kiew - In der Ukraine reißt die Kritik an der Einigung zwischen Deutschland und den USA zur umstrittenen Ostseepipeline Nord Stream 2 nicht ab. Deutschland könne gar nicht garantieren, dass Russland nach der Inbetriebnahme der Gasleitung die Ukraine weiter als Transitland nutze, sagte der Chef des staatlichen Gaskonzerns Naftogaz, Juri Witrenko. „Wenn es keinen physischen Gastransit über die Ukraine gibt, dann steigt das Risiko einer großflächigen militärischen Aggression vonseiten Russlands“, warnte Witrenko in einem am Donnerstag veröffentlichten Interview des Internetportals von Voice of America.

Nord Stream 2 sei für die Ukraine und die gesamte Region ein Sicherheitsrisiko, meinte der Manager. Er kritisierte, dass Absprachen westlicher Länder hinter dem Rücken der Ukraine getroffen würden. „Nord Stream 2 ist ebenfalls eine geopolitische Waffe des Kremls, daher ist es nicht ganz klar, wie andere Länder - besonders die Führer der westlichen Welt - sich auf ein Kreml-Projekt einigen können“, beklagte der 44-Jährige.

Am Mittwoch wurde die Einigung zwischen Deutschland und den USA zur umstrittenen deutsch-russischen Gaspipeline bekannt. Deutschland soll sich demnach dafür einsetzen, dass der bis 2024 geltende Gastransitvertrag Russlands und der Ukraine noch um bis zu zehn Jahre verlängert wird. Im Gegenzug verzichten die USA auf Sanktionen gegen Nord Stream 2. Russland drohen dem Dokument zufolge Sanktionen, sollte das Land weiter aggressiv gegen die Ukraine vorgehen.

Der Ukraine droht der Verlust ihrer traditionellen Rolle als Haupttransitland für russisches Erdgas nach Europa. Noch bis Ende 2024 verdient die finanziell klamme Ex-Sowjetrepublik jährlich umgerechnet über eine Milliarde Euro am Transit.