Touristiker:Jetzt klare Öffnungsstrategie nötig

Die quälenden letzten Monate würden Urlaubsanbieter, Hotels, Pensionen und Gastronomen am liebsten so schnell wie möglich abstreifen. Welche Regeln gelten für sie zum Start ins existenzielle Sommergeschäft? Die Branche hofft auf nachvollziehbare Vorgaben.

Von dpa
Touristen sitzen vor dunklen Wolken auf einer Bank auf dem Deich und genießen ihre Pause.
Touristen sitzen vor dunklen Wolken auf einer Bank auf dem Deich und genießen ihre Pause. Hauke-Christian Dittrich/dpa/Archivbild

Hannover - Für das Tourismus-Jahr in Niedersachsen werden die kommenden Wochen entscheidend - umso wichtiger ist aus Sicht der Branche daher ein belastbarer Öffnungsplan mit konkreten Zieldaten. Außerdem dürfe es nicht dabei bleiben, dass allein die Zahl der Corona-Neuinfektionen zugrundegelegt werde, ohne den Fortschritt beim Impfen einzubeziehen, heißt es im niedersächsischen IHK-Verbund.

„Die Lage war zuletzt sehr schlecht“, sagte Kerstin Kontny aus der Industrie- und Handelskammer (IHK) Emden der Deutschen Presse-Agentur zu den Ergebnissen der jüngsten Umfrage unter knapp 800 Betrieben im Land, die bis zum 7. Mai reichte. „Erste Öffnungsschritte sind ja angekündigt worden. Aber es müssen dringend weitere folgen.“ Sonst sei die gerade aufgekeimte Hoffnung auf Besserung bald erschöpft.

Betriebe in Tourismus und Gastgewerbe setzten darauf, dass das Land in der fürs Wochenende angekündigten nächsten Corona-Verordnung nicht nur am allgemeinen Stufenplan festhalte, sondern konkrete Daten nenne - unter der Voraussetzung, dass sich die Pandemie-Situation weiter entspannt. „Wir brauchen eine mit Terminen unterlegte Ausstiegsstrategie aus dem Lockdown und weitere Schritte“, fordert Kontnys Kollege Arno Ulrichs. Das sei wichtig, um etwa die Innengastronomie vorbereiten und den Bedarf an knappen Saisonarbeitskräften abschätzen zu können. Bei 44 Prozent der Firmen wanderten zuletzt Mitarbeiter ab, bei 77 Prozent stand alles.

Laut dem letzten aktuellen Stimmungsbild von Anfang April bis Anfang Mai sah es im niedersächsischen Tourismus düster aus. In der Saisonumfrage berichteten viele der teilnehmenden Betriebe von extrem schwachen Monaten und äußerten ihre Sorgen auch beim Blick nach vorn.

Der Index zum Branchenklima rutsche im Vergleich zum schon geringen Vorjahreswert nochmals ab - auf einen Allzeit-Tiefpunkt im Frühjahr. Weit über 90 Prozent nannten eine schlechte Geschäftslage, die künftige Entwicklung schätzten - je nach Teilbranche - um die 60 Prozent als ungünstiger ein. 38 Prozent erwarten einen Job-Rückgang.

Am 4. Mai kam dann die Ankündigung erster Lockerungen. „Jetzt ist ein Hoffnungsschimmer da“, meinte Kontny. Dies habe eine Blitzumfrage danach gezeigt. „Über Pfingsten haben wir einige Betriebe gesehen, die öffneten. Aber wirtschaftlich reicht das vielen noch nicht.“

Ulrichs sagte: „Wir kommen aus dem tiefsten Tal, und wir müssen das ausgleichen.“ Wenn Prioritätengruppen für das Impfen ab dem 7. Juni fallen und - wie geplant - Ende Juni auch die Bundesnotbremse bei Inzidenzen jenseits der 100er Marke endet, sollten Obergrenzen für die Kapazitäten in Gästeunterkünften bald der Vergangenheit angehören. „Danach müsste jeder wieder eigenverantwortlich Gesundheitsschutz betreiben können, falls hoffentlich genügend Impfstoff vorhanden ist“, schlug IHKN-Hauptgeschäftsführer Hendrik Schmitt vor.

Zuletzt nannten 67 Prozent der Tourismusbetriebe in Niedersachsen die „wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen“ rund um die Corona-Vorgaben als mit Abstand größtes aktuelles Risiko - vor dem gestiegenen Fachkräftemangel und den hohen Energiepreisen.

In puncto Urlauber-Nachfrage aus dem In- und Ausland war die Stimmung schon deutlich besser. „Die Gäste würden offenbar kommen, sobald sie wieder dürfen“, schätzt Kontny. Kommunen an der Küste sowie in Harz und Heide, die vom Tourismus abhängen, sollten Aussicht auf weitere Hilfen erhalten. Dreh- Angelpunkt seien aber nachvollziehbare Regeln: „Das Allerwichtigste ist, dass man den Korken aus der Flasche nimmt.“