(Wieder-)Wahl auf Vertrautes: Schultz-Ära geht weiter

Seine Herausforderin haderte nicht lange. Gaby Papenburg analysierte schnell, dass sie die kleinen und jungen Vereine nicht für die Verbandsarbeit hatte gewinnen können. Das Scheitern beim BFV-Verbandstag bewertete sie aber auch darüber hinaus kritisch.

Von Jens Marx, dpa
Ein Fußball liegt auf dem Rasen.
Ein Fußball liegt auf dem Rasen. Tobias Hase/dpa/Symbolbild

Berlin - Gaby Pabenburg blieb eine für sie ernüchternde Feststellung. Offensichtlich sei der Amateurfußball in seinen Strukturen wirklich noch nicht bereit für Veränderung - und „für eine Frau schon mal gar nicht“, sagte sie nach ihrem Wahl-Scheitern in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur. Als eine der ersten gratulierte die 61 Jahre alte ehemalige TV-Moderatorin am Samstag im Palais am Funkturm dem alten und neuen Präsidenten des Berliner Fußball-Verbandes.

„Auf jeden Fall hat der Fußball in der Hauptstadt nicht erkannt, dass er eine riesige Chance hatte und die Möglichkeit zur Veränderung. Damit müssen die jetzt erstmal in der Zukunft leben“, sagte sie der dpa: „Ich bin mir ziemlich sicher, dass ihnen sehr schnell aufgehen wird, was da eigentlich für Chancen verpasst wurden.“

Die 81 Stimmberechtigten, die sich für Bernd Schultz entschieden, dürften Papenburgs Meinung nicht teilen. Mit lautem Applaus feierte ein Teil im allerdings nur spärlich gefüllten Plenum - von 227 waren nur 117 Delegierte anwesend - die erneute Wiederwahl des 63 Jahre alten Schultz. Seit 2004 ist er nun im Amt. „Das Votum bestätigt mich darin, dass unsere kontinuierliche Arbeit im BFV von den Vereinen honoriert wird – diese gilt es nun fortzusetzen und darauf freue ich mich“, sagte Schultz, dessen Arbeit auch von Rainer Koch, einem von zwei Interimspräsidenten des Deutschen Fußball-Bundes, in dessen Grußwort hervorgehoben worden war.

Es sei von vornherein klargewesen, dass Koch einfach „seinen Kumpel Bernd Schultz unterstützen wollte. Deswegen hat er ja auch ständig betont, wie wahnsinnig wichtig Bernd Schulz im DFB ist und was er Unglaubliches für die Berliner tut im DFB. Es war schon viel Wahlkampf für Bernd Schultz, ich habe aber ehrlich gesagt nichts anderes von Rainer Koch erwartet“, sagte Papenburg. Nicht verbittert, nur feststellend.

Ihr Team, das mit ihr den BFV verändern wollte, trat letztlich nicht an, die weiteren Wahlen waren Entscheidungen für jeweils nur einen Kandidaten oder eine Kandidatin, deren Bekanntheitsgrade bei den Delegierten offensichtlich sehr unterschiedlich waren. Eine Kandidatin nutzte die Gelegenheit jedenfalls, sich mit ein paar Worten wenigstens ein bisschen vorzustellen, ehe ihre Wahl praktisch nur noch Formsache war.

Papenburg räumte ein, dass es ihnen nicht gelungen sei, die jungen und die kleinen Vereine für die Verbandsarbeit zu interessieren und zu mobilisieren. Von denen, die gekommen waren, nutzten manche das finale Fragen und Antworten vor der Wahl mit Papenburg und Schultz auch zur Abrechnung - mit den Kandidaten. Zwischenzeitig musste sogar der Tagungsleiter entschieden eingreifen und zum Fair Play aufrufen. Persönliches solle doch bitte außen vorgelassen werden.

In der Phase reagierte auch Papenburg deutlich und resolut. Sie sei von Anfang geradlinig durch und „ich habe immer gesagt, wir müssen die Strukturen verändern, dass es nur alte weiße Männer gibt. Das ist ja meine Rede gewesen. Wir müssen einen Generationswechsel anstoßen und den können wir nicht mit 70- oder 80-jährigen Vereins- oder Präsidiumsmitgliedern schaffen. Insofern muss ich einfach zur Kenntnis nehmen, dass das meine Meinung ist und ich die relativ exklusiv habe“.