Nach einer repräsentativen Umfrage des IFOP-Instituts ist im Nachbarland von einer "Germanophobie" nichts zu spüren

Franzosen sehen Angela Merkel als Deutschlands Symbolfigur

Die Umfrage sollte den Franzosen ein Jahr vor dem 50. Jahrestag der Elysée-Verträge zu den deutsch-französischen Beziehungen den Puls fühlen. Die interessanteste Erkenntnis: Eine große Mehrheit sieht in ihnen eher eine Partnerschaft denn eine Freundschaft. Es überwiegt eine Nutzwert-Einschätzung, die als wichtigstes Element des Schulterschlusses zwischen Paris und Berlin die Funktion als Motor der Europäischen Union sieht. Die Krise werde diese Beziehung nur noch verstärken, meinen viele Franzosen. Eine Angleichung der Volkswirtschaften und der Unternehmen - wie sie am Montag in Paris die Finanzminister Francois Baroin und Wolfgang Schäuble ausloteten - wird dementsprechend mehrheitlich befürwortet.

Auch Präsident Nicolas Sarkozys sozialistischer Herausforderer François Hollande hat dieser geänderten Sichtweise bereits Rechnung getragen. Bei einer Wahlkampfveranstaltung hat er für den 50. Jahrestag der Elysée-Verträge vom 22. Januar 1963 einen neuen deutsch-französischen Vertrag in Aussicht gestellt. "Ich werde den Deutschen eine Beziehung der Aufrichtigkeit und Gleichheit vorschlagen", versprach er für den Fall seiner Wahl. Beide Länder müssten Europa neue Dynamik geben, das würde er als Präsident der Kanzlerin selbst in Berlin erklären.

Deren Popularität - vor allem bei jüngeren Franzosen - überraschte in der Umfrage kaum: Schon im August hatte eine breite Mehrheit der Franzosen in einer Umfrage der Zeitung "Le Parisien" erklärt, sie vertraue in der Euro-Schuldenkrise Angela Merkel mehr als dem eigenen Präsidenten. Klar erkennbar in den Umfrageergebnissen stellen sich aber viele Franzosen heute die Frage, wie sich das Modell der Sozialversicherung à la francaise mit einer starken, aufstrebenden deutschen Wirtschaft vereinbaren lasse. Das zeigen auch Antworten auf die Frage nach dem Stand der gemeinsamen Beziehungen: Eine Mehrheit findet sie nicht "sehr gut", sondern "eher positiv".

Die Studie beim IFOP-Meinungsforschungsinstitut in Auftrag gegeben hatte die Deutsche Botschaft in Paris. Nebenbei sollte sie auch der im französischen Wahlkampf aufgekommenen Polemik um eine vermeintliche "Germanophobie" nachspüren: einer Deutschfeindlichkeit in Frankreich. Es gibt sie nicht, wenn man der Umfrage Glauben schenken darf. In der Bevölkerung sei nichts davon zu spüren, fanden die Meinungsforscher. Das französische Deutschland-Bild wird nur noch bei Älteren von den Kriegszeiten geprägt - als prägend gilt heute längst die Ära der Wiedervereinigung und des Mauerfalls.

Zu ähnlichen Einschätzungen waren auch immer wieder Beobachter aus dem deutsch-französischen Umfeld gelangt. Das Magazin "ParisBerlin" etwa hatte wiederholt die bilateralen Beziehungen untersucht und ihnen eine robuste Gesundheit bescheinigt. Die IFOP-Umfrage gilt aber als bisher umfassendste Studie zum Thema. Sie zeigt ein überwiegend positiv besetztes Deutschland-Bild, in dem die üblichen Klischees vom disziplinierten, fleißigen Deutschen mit solider Rechtschaffenheit nicht fehlen. Die Kehrseite der Medaille: Eine bessere Lebensqualität in Deutschland vermuten gerade mal etwas mehr als ein Viertel der Franzosen. Der Rest empfindet die eigene Heimat da als weitaus gemütlicher und ist stolz aufs nationale Erbe - was sich auch nach eigener Einschätzung mitunter in Arroganz äußern kann. (dpa)