Interview

Ex-AfD-Chefin Petry: „Stimmung innerhalb der Partei ist katastrophal“

Frauke Petry war einst Vorsitzende der AfD, verließ die Partei nach dem Einzug in den Bundestag jedoch. Ihre politische Karriere endete damit. AfD und CDU beobachtet sie jedoch weiterhin genau.

11.10.2021, 08:51 • Aktualisiert: 11.10.2021, 08:59
Frauke Petry
Frauke Petry Foto: Hendrik Schmidt/dpa

Delitzsch/Leipzig /dpa - Die bürgerlichen Parteien waren nach Einschätzung von Ex-AfD-Chefin Frauke Petry nicht auf die Nach-Merkel-Ära vorbereitet. „Am wenigsten die Union. Die verhalten sich gerade wie ein Hühnerhaufen“, sagte die frühere Bundessprecherin der AfD im Interview mit der „Leipziger Volkszeitung“ (LVZ) am Montag. Das Ergebnis der Bundestagswahl bezeichnete die Politikerin als „erwartbare Enttäuschung“. Das bürgerliche Lager sei insgesamt deutlich schwächer geworden - selbst wenn man die AfD dazu rechne.

Die 46-Jährige, die zuletzt als fraktionslose Abgeordnete im Bundestag saß, ist nach der Bundestagswahl ohne Mandat. Laut Interview strebe sie kein Mandat mehr an, bleibe aber politisch interessiert. In der „politisch aufgeladenen Situation“ sei die Wiedereingliederung ins normale Leben schwer. „Die Angst vor der gesellschaftlichen Ächtung und vor materiellen Schäden bei Vertragspartnern und Geschäftsleuten, wenn man mit Menschen umgeht, die sich sichtbar rechts der Mitte bewegt haben, ist aus meiner Sicht ein Riesenproblem.“

Frauke Petry: Stimmung in der AfD ist katastrophal

Auch mit ihrer früheren Partei ging Petry hart ins Gericht. „Das AfD-Programm ist wohl noch das beste an der Partei, aber es fehlen ihr schon lange die fähigen und überzeugenden Persönlichkeiten und die Stimmung innerhalb der Partei ist katastrophal.“

Petry hatte der AfD nach der Bundestagswahl 2017 den Rücken gekehrt und später die Blaue Partei gegründet. Nach Wahlschlappen bei den Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen 2019 kündigte Petry die Auflösung der Partei an. Derzeit läuft am Landgericht Leipzig ein Berufungsprozess wegen Steuerhinterziehung und Subventionsbetrugs. An diesem Dienstag (12. Oktober) könnte das Urteil fallen. Das Amtsgericht Leipzig hatte Petry von den Vorwürfen zunächst freigesprochen, die Staatsanwaltschaft hatte Berufung eingelegt.