Weltleitwährung unter Druck Trumps Politik schwächt Dollar – Experten sehen Risiken
Trumps Wirtschaftspolitik lässt den Dollar taumeln – was bedeutet das für Urlaubsbudget, Rohstoffpreise und die Macht der US-Währung?

Frankfurt/Main - Das neue Jahr hat für die Weltleitwährung US-Dollar schlecht begonnen. In den ersten Handelswochen verlor die amerikanische Währung weiter deutlich an Wert. Seit der Amtseinführung von Donald Trump im Januar 2025 leidet die amerikanische Währung mehr oder weniger stark unter der erratische Politik des US-Präsidenten. Nachdem zu Beginn der Amtszeit für einen Euro 1,05 Dollar gezahlt wurde, hat die amerikanische Währung etwa 20 Prozent an Wert verloren. Zuletzt lag der Kurs zeitweise über 1,20 Dollar. Mit dem Wertverlust wird auch die Rolle des Dollar als Weltleitwährung zunehmend infrage gestellt.
Warum hat der Dollar an Wert verloren?
Es gibt mehrere Gründe für den Wertverlust der amerikanischen Währung, aber vieles hat mit Trumps Rolle zu tun. Unter anderem wird die wiederholte Kritik des Regierungschefs an der Zinspolitik der US-Notenbank Fed, Beschimpfungen des Notenbankchefs Jerome Powell bis hin zu juristischem Druck auf Mitglieder der Notenbank als ein wesentlicher Grund für die Flucht der Anleger aus dem US-Dollar gesehen.
Für große Verunsicherung sorgte im ersten Jahr der zweiten Amtszeit von Trump zudem die aggressive und oftmals erratische Zollpolitik, die Anleger immer wieder an Investitionen in den Dollar zweifeln ließ. Hinzu kommen direkte Eingriffe des Präsidenten am Kapitalmarkt, die das Vertrauen der Anleger erschüttern. So will Trump beispielsweise bei Rüstungsunternehmen Dividendenausschüttungen und Aktienrückkäufe begrenzen. Stattdessen solle der Gewinn in die Produktion gesteckt werden.
Wird es mit dem Dollarkurs weiter nach unten gehen?
„Der Kurzfristtrend spricht gegen den US-Dollar“, beschreibt Analyst Chris Iggo vom Vermögensverwalter BNP Paribas Asset Management die Marktlage. Die Stimmung für den Dollar sei zwar schlecht, die US-Wirtschaft nach einem Jahr unter Trump aber immer noch stabil. Als mitentscheidend für die Kursentwicklung des Dollars in den kommenden Monaten sehen Experten die weitere Entwicklung der Zinsen.
Zuletzt hatte die US-Notenbank die Leitzinsen im Dezember gesenkt. Bei der jüngsten Sitzung im Januar wurden die Zinsen stabil gehalten. Am Markt wird aber allgemein erwartet, dass die Zinsen in den USA in diesem Jahr nochmals gesenkt werden. Andererseits hält die Europäische Zentralbank ihre Leitzinsen stabil, und da dürfte sich in diesem Jahr auch nichts ändern. Alleine die Zinsentwicklung spricht eher für einen weiter schwächeren Dollar im Handel mit dem Euro.
Warum findet Trump gut, wenn der Dollar schwach ist?
Es zieht sich wie ein roter Faden durch die Politik von Donald Trump: Bereits in seiner ersten Amtszeit hatte der Präsident immer wieder deutlich gemacht, dass er ein Befürworter eines schwächeren Dollar im Vergleich zu anderen wichtigen Währungen ist. Das fördert die amerikanische Exportwirtschaft, die ihre Waren auf dem Weltmarkt günstiger anbieten kann. Wenn die Exporte steigen, sollte sich dann auch das Handelsdefizit der USA mit anderen Ländern wie zum Beispiel Deutschland verringern, was Trump schon länger ein Dorn im August ist.
Allerdings wird hierbei ausgeblendet, dass es neben den Wechselkursen weitere wesentliche Gründe für eine erfolgreiche Exportwirtschaft gibt. Außerdem bestehen begründete Zweifel, dass die Unternehmen in den USA über genügend Produktionskapazitäten verfügen, um die Exportziele des Präsidenten erreichen zu können. Außerdem wird der Bereich Dienstleistungen von Trump konsequent ausgeklammert, der einen wesentlichen Anteil an der Stärke der US-Wirtschaft hat.
Welche Rolle spielt der Dollarkurs für die Preise von Rohstoffen?
Für den Handel mit Rohstoffen spielt der US-Dollar eine wesentliche Rolle, weil die Geschäfte mit Energierohstoffen oder mit Metallen in der Regel in der amerikanischen Währung abgewickelt werden. Das bedeutet: Eine Kursschwäche des Dollar macht die Rohstoffe auf dem Weltmarkt günstiger, was die Nachfrage verstärkt und die Preise nach oben treibt. Dies kann unter anderem beim Handel mit Rohöl oder auch bei Gold für Bewegung bei den Preisen sorgen.
Was bedeutet der schwache Dollar für Reisen in die USA?
Auch hier spielt der Wechselkurs eine wichtige Rolle. Ein günstiger Dollarkurs erlaubt es Reisenden, Waren in den USA günstiger einzukaufen. Das kann sich beispielsweise bei kostspieligen elektronischen Geräten als vorteilhaft erweisen. Allerdings sollte dann aber auch darauf geachtet werden, dass die Einfuhr von US-Waren ab einer gewissen Menge angemeldet werden muss, damit es bei der Zollkontrolle am Flughafen nicht zu unangenehmen Überraschungen kommt.
Gefährden die Kursverluste den Dollar die Rolle als Weltleitwährung?
Ein Blick auf die Kursentwicklung des Dollar in den vergangenen Jahrzehnten zeigt: Die US-Währung müsste noch viel stärker fallen, um an frühere Schwächephasen heranzukommen. Beispielsweise wurden 2008 für einen Euro zeitweise bis zu 1,60 Dollar gezahlt. „Ein schwächerer Dollar bedeutet nicht automatisch ein schwächeres Amerika“, sagte Analyst Stephen Innes vom Vermögensverwalter SPI Asset Management. Es sei durchaus möglich, dass eine starke US-Wirtschaft und eine schwächere Währung lange Zeit nebeneinander bestehen können.
Zudem hat eine Personalentscheidung des US-Präsidenten dem US-Dollar zuletzt wieder ein Stück weit Auftrieb verliehen. Mit der Nominierung von Kevin Warsh als Nachfolger von Jerome Powell an der Spitze der US-Notenbank gehen viele Beobachter davon aus, dass die Zinsen in den USA vielleicht doch nicht so stark gesenkt werden, wie Trump das in den vergangenen Monaten immer wieder gefordert hat. Zu guter Letzt sehen die meisten Experten noch immer keinen Ersatz für den Dollar als Weltleitwährung.