Yokohama l Es muss eine furchtbare Situation sein: das Kreuzfahrtschiff "Diamond Princess" liegt seit fast zwei Wochen im Hafen von Yokohama. An Bord befinden sich mehr als 3500 Menschen, die das Schiff nicht verlassen dürfen und auf ihren Zimmern unter Quarantäne stehen. Auch mehrere Deutsche befinden sich unter den Passagieren, zwei von ihnen sollen bereits infiziert sein.

Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen steigt die Zahl der Infizierten täglich. Wie das japanische Gesundheitsministerium am Dienstag bekanntgab, erhöhte sich die Zahl um 88 auf inzwischen 542 Fälle. Von den 88, die nun positiv getestet wurden, zeigten 65 keine Symptome wie Fieber oder Husten, meldete der japanische Fernsehsender NHK unter Berufung auf das Gesundheitsministerium in Tokio weiter der Deutschen Presseagentur. Alle Betroffenen wurden in örtliche Krankenhäuser gebracht. 

Unter ihnen auch die beiden Briten David Abel und seine Frau Sally. Sie haben in den vergangenen Tagen regelmäßig via Facebook mit Bildern und Videos über den Zwangsaufenthalt auf dem Schiff informiert. Eine Art digitales Tagebuch. Davids Profil folgen mittlerweile mehr als 25.000 Nutzer, die Beiträge sind hunderte Male geteilt und tausendfach kommentiert worden. Hiobsbotschaft via Facebook Am Dienstag, 18. Februar, kam dann jedoch eine Hiobsbotschaft: ihr Testergbnis auf das Corona-Virus ist positiv, heißt es. "Es wird nun eine Zeit lang ruhig und werden ins Krankenhaus gebracht", schreibt David Abel in einem Facebook-Post am Dienstagmorgen. Dann ist vorerst Stille auf dem Account.

Bilder

In sozialen Netzwerken wie Twitter und Facebook raufen sich mittlerweile einige der Passagiere zusammen, geben unter Hashtags wie #diamondprincess oder #HanginthereDiamondPrincess Lebenszeichen von sich, berichten davon, was im und um das Schiff herum passiert. Ein Stückweit ist es auch Kommunikation untereinander. 

Instagram-Userin "phantomyws" und ihr Sohn gehören auch zu den Gefangenen auf der "Princess Diamond". Auf einem von ihr geposteten Bild sind mehrere Krankenwagen zu sehen, die am Dock in Reih und Glied geparkt sind. Der Eingang zum Schiff ist mehrfach mit Schutzwänden gesichert. Isolierte Busse stehen bereit, um Infizierte oder Menschen, die das Schiff verlassen dürfen, zu transportieren. Speisekarte unter Quarantäne

Auch Twitter-Nutzer "Matthew Smith" aus Amerika gibt regelmäßig Updates, twittert  Fotos vom Essen, Trinken und was alles so im und um das Schiff herum passiert. So werden die Passagiere offenbar auch mit nötigen Medikamenten versorgt. Das Essen können sie sich aus einer Speisekarte aussuchen. Der Amerikaner lädt auch ein Bild hoch, auf dem der genaue Zeitplan für die Freigänge an Deck zu sehen ist. Auf Grundlage von Zimmernummern nach Gruppen eingeteilt, haben die Passagiere demnach eine Stunde "Freigang". 

Um zum Beispiel medizinische Apps zu benutzen und die Kommunikation mit Ärzten aufrechtzuerhalten, haben die Passagiere Matthew Smiths Tweet nach, sogar IPhones bekommen. Ein Bild zeigt: zum Valentinstag gab es für die Gefangenen auf der "Diamond Princess" eine Rose und etwas Schokolade. 

Unter den Hashtags sind auch einige abfotografierte Danksagungen an die Crew zu sehen. Eine Nutzerin hat nach eigenen Angaben sogar bei Amazon ein Paket bestellt und ist völlig aus dem Häuschen, als sie es in ihrer Kabine empfängt.  Nach zweiwöchiger Quarantäne sollen am Mittwoch, 19. Februar, die ersten Menschen von Bord der "Diamond Princess" in Yokohama gehen dürfen. Die Ausschiffung werde voraussichtlich bis Freitag (21. Februar) dauern, so das Gesundheitsministerium laut dpa.