Noch vor Ende des Zweiten Weltkrieges sollte einem derartigen Inferno künftig ein Riegel vorgeschoben werden. Am 25. April 1945 begann in San Francisco die Uno-Gründungskonferenz. Es entstand eine Weltorganisation, die unerlässlich wurde. Die Uno leidet jedoch unter Bedeutungsverlust

Wie heißt der Uno-Generalsekretär? Die Antwort galt früher als Allgemeinwissen. Heute muss der Portugiese António Guterres in dieser Funktion darum kämpfen, nicht in den toten Winkel der Weltpolitik zu geraten.

Bitter für eine Organisation, die bei ihrer Gründung vor 75 Jahren so viele Hoffnungen auf sich vereinte. Damals hatte die Anti-Hitler-Koalition ihre Mission noch nicht beendet und war noch intakt. Dies schien eine solide Basis zu sein für eine stabilere Organisation als den Vorgänger Völkerbund, der den Zweiten Weltkrieg nicht hatte verhindern können. 50 Staaten einigten sich in San Francisco schließlich auf die UN-Charta.

Zu deren Prinzipien gehören die Förderung freundschaft­licher Beziehungen zwischen den Staaten sowie die Zusammen­arbeit bei Menschen­rechten, Entwicklung, Wirtschaft und Kultur. So entsteht das wichtigste multi­laterale Forum für den internationalen Austausch. Basis der Zusammen­arbeit sind souveräne Gleichheit aller Mitglied­staaten sowie das System der kollektiven Sicherheit.

Den Ton gaben freilich die Siegermächte des Zweiten Weltkrieges an. Das spiegelt sich noch heute in der Zusammensetzung des UN-Sicherheitsrates wider. Die ständigen Sitze – und damit das Vetorecht – in dem 15-Staaten-Gremium haben die USA, Russland, Frankreich, Großbritannien und China.

Wobei sich hier schon einer der vielen, der Machtbalance geschuldeten Sonderfälle ergab. Zunächst saß das Uno-Gründungsmitglied Republik China (Taiwan) im Sicherheitsrat, 1971 übernahm die Volksrepublik China wegen gewachsener Bedeutung den Platz Taiwans in der Uno und im Sicherheitsrat.

Gleich bei Gründung der Weltorganisation hatte sich die Sowjetunion eine Mehrfachvertretung gesichert. Nicht nur die UdSSR als Ganzes wurde Mitglied, sondern auch die Republiken Ukraine und Weißrussland trotz ihrer Zugehörigkeit zur Gesamtunion.

Das brachte der Sowjetunion zwei Stimmen mehr, was zunehmend wichtig wurde. Der angehende Kalte Krieg schlug voll auf die Vereinten Nationen durch. Das zeigte sich extrem im Korea-Krieg Anfang der 1950er Jahre. Um die von China unterstützten kommunistischen Truppen Nordkoreas zurückzuschlagen, erhielten die Südkoreaner Hilfe von Uno-Truppen. Die bestanden bezeichnenderweise aber im Wesentlichen aus US-Einheiten. Bei späteren Friedenseinsätzen wurde versucht, die Unabhängigkeit der als Blauhelme bekannten Uno-Soldaten zu wahren.

Die einsetzende Entspannungsperiode in den 1970er Jahren führte auch zu Entkrampfungen in der Weltorganisation. Zum Nutzen der damaligen beiden deutschen Staaten: Im Herbst 1973 wurden die Bundesrepublik Deutschland und die DDR in die Uno aufgenommen. Nach der Wiedervereinung wurde aus zwei Vertretungen eine. Deutschland bemüht sich seit etlichen Jahren um einen ständigen Sitz im Sicherheitsrat, ist damit jedoch bislang nicht durchgedrungen.

Die Uno stand auch immer unter Kritik, die in den vergangenen Jahren stärker geworden und irrationaler geworden ist. Insbesondere, weil der Multilateralismus von den USA unter Präsident Donald Trump als Auslaufmodell betrachtet wird. Das wirkt sich bis in die Spezialagenturen wie die Weltgesundheitsorganisation WHO aus, der die Amerikaner wegen angeblicher Unfähigkeit und China-Nähe den Geldhahn zudrehen wollen.

Die Uno kämpft um ihren Einfluss. Das muss sie auch. Sonst wird aus Generalsekretär Guterres nur ein Rufer in der Wüste.