Die Sportwelt steht still. Die Olympischen Spiele und die Paralympics in Tokio wurden um ein Jahr verschoben. Die Bundesligen pausieren auf unbestimmte Zeit oder haben ihre Spielzeiten bereits beendet. Auch der komplette Trainings- und Wettkampfbetrieb in den 3060 Sportvereinen in Sachsen-Anhalt ist bis auf Weiteres eingestellt. Wie für alle gesellschaftlichen Bereiche stellt die derzeitige Situation eine noch nie dagewesene, riesige Herausforderung auch für den Sport dar.

Als ehemalige Leistungssportlerin habe ich dreimal Olympische Spiele erleben dürfen. Ich kann die Gefühlslage der Athletinnen und Athleten, die sich intensiv auf Tokio 2020 vorbereitet haben, nur zu gut nachvollziehen. So tragisch es für den Einzelnen sein mag, die Entscheidung des IOC, die Spiele zu verschieben, war die einzig richtige. Sie schützt die Gesundheit der Athletinnen und Athleten und schafft bei allen Beteiligten Klarheit. Eine Chancengleichheit wäre unter den aktuellen Bedingungen ohnehin nicht gegeben.

Vor wenigen Tagen haben wir uns mit einem Video an die 36 Mitglieder unseres „Teams Sachsen-Anhalt für Tokio“ und ihre Trainer gewandt. Die Botschaft lautet: „Das Land, der Landessportbund und der Olympiastützpunkt werden alles dafür tun, dass Ihr Euch den Traum von Olympia, wenn auch mit einem Jahr Verzögerung, erfüllen könnt!“

Während sich Sportdeutschland fragt, wie lange die Profiteams im Fußball ohne Spielbetrieb wirtschaftlich durchhalten können, gehen meine Sorgen und Ängste viel weiter. Auch und gerade die kleinen Sportvereine stehen vor gravierenden wirtschaftlichen Schäden. Als LSB-Präsidentin habe ich natürlich vor allem die Situation in unseren Mitgliedsvereinen im Blick. Aktuell gibt es sicherlich wichtigere Probleme zu lösen als den Sport und das Sporttreiben. Nichtsdestotrotz machen wir uns als Interessenvertreter des Vereinssports schon jetzt dafür stark, dass es auch für diesen wichtigen gesellschaftlichen Bereich finanzielle Unterstützung gibt.

Emotional gesehen ist es die Höchststrafe für uns, den Spielbetreib einstellen zu müssen, Veranstaltungen abzusagen und das Vereinsleben komplett herunterzufahren. Wirtschaftlich ist das nicht nur für die Bundesligavereine existenzgefährdend. Auch die Vorstände „normaler“ Sportvereine stehen vor riesigen Problemen, z. B. bei der Bezahlung ihrer Mitarbeiter und Honorarkräfte oder sehen sich Stornierungskosten für Trainingslager ausgesetzt. Ich teile mit jedem einzelnen Verein diese Sorgen! Aktuell erfassen wir dazu die finanziellen Auswirkungen auf die Vereins- und Verbandsarbeit unserer Mitglieder.

Wenn der Vereinssport auch nach der Corona-Krise weiterleben soll, müssen wir gemeinsam mit der Politik Lösungen finden, wie die Vereine ihr Personal über diese finanzielle Durststrecke bringen. Wir müssen Sorge dafür tragen, dass sie nicht auf den Kosten für nicht einlösbare vertragliche Verpflichtungen, Betriebskosten für Sportanlagen oder Stornogebühren für Veranstaltungen und Wettkämpfe sitzen bleiben. Mit diesem Anliegen habe ich mich bereits an Sportminister Holger Stahlknecht gewandt.

Am 25. März hat der Bundestag Gesetze auf den Weg gebracht, die auch unsere Vereine vor Insolvenzen schützen, die im Zusammenhang mit den Auswirkungen des Coronavirus stehen und sie bei möglicher Zahlungsunfähigkeit vor Kündigung von Miet- und Pachtverträgen bewahren. Auch bei den GEMA-Gebühren oder beim Versicherungsschutz kommen uns unsere langjährigen Partner entgegen. Lotto Sachsen-Anhalt hat erst gestern einen Hilfsfonds für gemeinnützige Organisationen aufgelegt. Das alles hilft, um unsere Sportvereine in dieser schweren Zeit nicht zusätzlich zu belasten!

Jetzt aber geht es erst einmal um Zusammenhalt und Solidarität! Denjenigen, die meinen, in dieser Situation unbedingt das Geld für Eintrittskarten oder Startgebühren von ihrem Verein zurückfordern zu müssen, möchte ich etwas vor Augen führen. Erinnert Euch bitte, was die Übungsleiterinnen und Übungsleiter sowie Eure Vereinsvorstände Jahr für Jahr ehrenamtlich leisten. Sie übernehmen Verantwortung für Eure Kinder, sie bieten Euch qualifiziertes Training an, sind Motivator, Freund, Zuhörer und Trainingspartner. Sie sind es, die Euren Verein am Laufen halten. Sie brauchen jetzt Eure Unterstützung!

Sicherlich wird es ein großer Kraftakt werden, den Sportbetrieb mit Training, Wettkämpfen und den Punktspielen in allen Ligen nach der Corona-Pandemie wieder in Gang zu bringen. Der Sport in Sachsen-Anhalt wird das mit der unbändigen Kraft des Ehrenamtes schaffen, da bin ich mir ganz sicher.

Dazu braucht er aber auch die ideelle und wirtschaftliche Unterstützung durch Politik und Gesellschaft!

Auch wenn Sport im Moment nur individuell möglich ist, rufe ich alle Sachsen-Anhalter auf, bleiben Sie in Bewegung. Ich mache es genauso! Viele Vereine bieten dazu Online-Kurse an. Stärken Sie damit Ihr Immunsystem und kommen Sie gesund durch diese schwere Zeit!