Bonn/Magdeburg (dpa/dt) l Der bundesweite Warntag hat am Donnerstag in Sachsen-Anhalt wie auch in anderen Teilen Deutschlands Lücken bei der Alarmierung der Bevölkerung offenbart. Der Probealarm sei in Apps sowie im Warnsystem NINA offensichtlich zeitverzögert dargestellt worden, teilte das Innenministerium in Magdeburg via Twitter mit. Die Auswertungen liefen. "Genau dafür ist ein Probealarm gedacht, um Abläufe zu optimieren."

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) in Bonn erklärte diese Panne mit der zeitgleichen Auslösung einer Vielzahl von Warnmeldungen. Präsident Christoph Unger sagte in Mannheim: "Erste Analysen haben ergeben, dass um 11 Uhr nicht nur zentral die Warnung ausgelöst worden ist, sondern viele andere angeschlossene Leitstellen ebenfalls eigenständig Warnungen ausgelöst haben, so dass es zu einer Überlastung des Systems gekommen ist. Dies muss für den nächsten Warntag noch viel deutlicher abgestimmt werden." Gegebenenfalls müssten entsprechende technische Vorkehrungen getroffen werden.

In Sachsen-Anhalts hatte Innenstaatssekretärin Anne Poggemann gemeinsam mit dem Landrat des Salzlandkreises in Staßfurt symbolisch den Probealarm um 11.00 Uhr ausgelöst. Laut einem Ministeriumssprecher hatte augenscheinlich alles funktioniert. Sirenen aus der Umgebung Staßfurts etwa seien zu hören gewesen.

Keine Sirenen in Magdeburg

Doch offenbar nicht überall. Schon kurze Zeit später kamen in sozialem Netzwerken wie Twitter und Facebook die ersten Nachfragen nach den angekündigten Sirenen-Signalen auf. Auch in Magdeburg blieb es vielerorts leise.

Der sogenannte Warntag, der künftig jedes Jahr am zweiten Donnerstag im September stattfinden soll, dient als Vorbereitung auf Gefahrenlagen wie Überschwemmungen, Chemieunfälle oder auch Terroranschläge. Eingebunden werden sollten alle vorhandenen Warnmittel wie beispielsweise Warn-Apps, Radio und Fernsehen, digitale Werbetafeln, Sirenen und Lautsprecherwagen.

Ist der Warntag sinnvoll?

Nicht alle sind davon überzeugt, dass ein solcher Warntag überhaupt sinnvoll ist. Der Psychologe Andreas Hamburger von der International Psychoanalytic University Berlin kritisierte insbesondere den Sireneneinsatz. "Die Menschen, die selber noch als Kinder Luftangriffe erlebt haben, sei es in Deutschland im Krieg, seien es Geflüchtete, die aus Kriegssituationen kommen, werden ganz unmittelbar und sehr intensiv mit Gefühlen von Panik auf solche Signale reagieren", sagte Hamburger der Deutschen Presse-Agentur. "So dass man sich schon die Frage stellen muss oder sollte: Ist es notwendig, und welchem wirklichen Zweck dient es denn, diese Reflexe bei Menschen, die solche Erfahrungen gemacht haben, zu triggern?"

In anderen Ländern sind Warntage teilweise seit langem Routine. So werden in den Niederlanden jeden ersten Montag im Monat alle 3800 Sirenen gleichzeitig getestet. In Tschechien heulen die Sirenen am ersten Mittwoch des Monats auf.

In den USA wird regional beispielsweise vor schweren Unwettern oder vor Überflutungen gewarnt. Im Fernsehen wird dann das laufende Programm automatisch unterbrochen, es ertönt ein wiederkehrendes schrilles Alarmgeräusch. Auf dem Bildschirm erscheint ein Text, der präzisiert, wovor gewarnt wird. Auch aus Handys ertönt im Alarmfall der gleiche schrille Ton, auf dem Display erscheinen Details zur Warnung. Eine wahre Kakophonie ertönt, wenn man in einem Reisebus unterwegs ist, der durch ein Gebiet mit einem schweren Unwetter fährt: Dann schlagen alle Handys an Bord gleichzeitig Alarm.