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Besonderes Spendenprojekt Bleibende Momente: Privatmann finanziert fünf Wünschewagen

Deutschlandweit rollen Fahrzeuge, die Sterbenskranke an Sehnsuchtsorte bringen. Ein privater Spender lässt in Schönebeck fünf neue bauen. Der Fokus liegt auf Menschen, die diese Fahrten ermöglichen.

Von Sabrina Gorges, dpa 31.01.2026, 05:00
Wünschewagen oder Wunsch-Ambulanzen sind aufwendig umgebaute Krankentransportfahrzeuge.
Wünschewagen oder Wunsch-Ambulanzen sind aufwendig umgebaute Krankentransportfahrzeuge. Klaus-Dietmar Gabbert/dpa

Schönebeck - Ein letztes Mal das Meer sehen, bei einem Fußballspiel mitfiebern, ein Konzert oder entfernte Verwandte besuchen: Besondere Momente außerhalb von Hospiz oder Palliativstation schenken unheilbar kranken Menschen in der letzten Phase ihres Lebens große Emotionen und Freude. An die Stelle von Trauer und Tränen treten Freude und Glückseligkeit. Das setzt zwei Dinge voraus: ehrenamtlich Engagierte, die in ihrer Freizeit zu Wunscherfüllern werden und besonders ausgestattete Fahrzeuge, mit denen der Weg zwischen Krankenbett und Sehnsuchtsort zurückgelegt werden kann. In Sachsen-Anhalt wird derzeit ein privat finanziertes Projekt umgesetzt, das den bundesweiten Bestand dieser Einsatzfahrzeuge um fünf erhöhen soll. 

Keine regulären Rettungswagen

Fahrzeuge wie diese sind keine regulären Rettungswagen, sondern angepasste Sonderfahrzeuge. Sie werden Wünschewagen, Herzenswunsch-Krankenwagen oder Wunsch-Ambulanz genannt und bringen Sterbenskranke gut umsorgt und begleitet an ihr Traumziel. Damit bald fünf neue durch Deutschland rollen können, hat sich ein anonymer Spender mit einem auf Sonderfahrzeugbau spezialisierten Unternehmen aus Schönebeck (Salzlandkreis) zusammengetan. 

„Dieser Mensch hat fünf voll ausgebaute Wünschewagen bezahlt und über uns projektieren lassen“, sagt Birk Lehmann, Geschäftsführer von eLBe Sonderfahrzeuge. „Diese Fahrzeuge werden durch uns ohne jegliche Gegenleistung weitergegeben.“ Denn: „Das Auto ist, gemessen an den Leistungen von Begleitpersonen, Rettungssanitätern und Pflegekräften, der kleinste Teil dieses Engagements. Wir legen den Fokus ganz klar auf die Menschen, die eine extensive Nutzung dieser Fahrzeuge überhaupt erst möglich machen.“ In einem solchen Wagen darf jeder mitfahren, der noch transportfähig ist. Möglichst jeder Wunschzielort wird angesteuert.

Siebenstellige Summe für rollende Wunscherfüller

Das Ein-Million-Euro-Projekt soll die Arbeit von Freiwilligen in gemeinnützigen Organisationen wie dem Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), den Maltesern, Johannitern, dem Deutschen Roten Kreuz sowie bei Vereinen und Privatdienstleistern fördern. Fünf Teams können sich beim Schönebecker Sonderfahrzeugbauer um die Wagen bewerben - bundesweit. 

„Die Ehrenamtlichen sollen technisch so gut wie möglich unterstützt werden“, sagt Mitgeschäftsführer Kay Behring. Wer am Ende die fünf Wünschewagen bekommt, entscheidet allein der Geldgeber, den Lehmann und Behring vor etwa zwei Jahren kennengelernt haben. In die Öffentlichkeit will er nicht. Es ist ein Mann - mehr Details dürfen auf dessen Wunsch hin nicht nach außen dringen.

Seit Sommer befinden sich die fünf Transporter beim Partnerunternehmen Medicop in Slowenien. „Hier werden die Grundfahrzeuge schon so umgebaut, dass wir im Anschluss bei uns in Schönebeck den individuellen Feinschliff machen können“, sagt Behring. So kümmern sich die slowenischen Experten etwa um ein neues Dach für die Blaulichtanlage, eine Standheizung, einen Kühlschrank und desinfektionsfeste Innenverkleidung. In Schönebeck kommen unter anderem Medizin- und Funktechnik, die Beklebung und Zulassung sowie der Einbau eines besonderen Details hinzu. „Alle Wagen bekommen einen LED-Himmel mit dem Sternzeichen des Geldgebers. Das hat er sich so gewünscht.“

Bewerbungen noch bis Anfang Juni

Bis 1. Juni nehmen Lehmann und Behring Bewerbungen für die fünf Herzenswunsch-Wagen entgegen. Eine Online-Kampagne mit eigener Homepage und weitreichender Social-Media-Präsenz hat dafür gesorgt, dass den 51 und 41 Jahre alten Unternehmern schon jetzt mehr als 100 Bewerbungsvideos aus ganz Deutschland vorliegen. „Wir werden maximal 25 Finalisten vorauswählen, die fünf Sieger sucht ganz allein der Spender aus“, erklärt Lehmann. Große Hilfsorganisationen können ebenso profitieren wie kleine Vereine und Newcomer mit einer Vision, sofern sie ein Konzept für die Realisierung der aufwendigen Fahrten mit todkranken Menschen haben. 

Die Vergabe ist für Heiligabend geplant, danach erfolgen Absprachen zur Ausstattung der Wagen, die im nächsten Jahr an die neuen Besitzer übergeben werden sollen. Geht es nach dem Wunsch von Lehmann und Behring, soll das im Mai 2027 auf der Rettmobil, der internationalen Leitmesse für Rettung und Mobilität, im hessischen Fulda passieren. 

Wünschewagen-Fahrten seit 2014 auch in Deutschland

Die aus den Niederlanden stammende Idee des Wünschewagens wurde 2014 zum ersten Mal in Deutschland umgesetzt. Der ASB war auf diesem Gebiet Vorreiter und hat sich „Wünschewagen“ als Wortmarke schützen lassen. Andere Organisationen haben ähnliche Bezeichnungen gewählt. Die kostenlosen Fahrten werden nur durch Spenden finanziert, die Besatzung arbeitet ehrenamtlich. Der Umbau eines Basisfahrzeugs zu einem Wünschewagen ist teuer. Auch, weil er so wenig wie möglich Krankenwagen und so viel wie möglich Wohnzimmer sein soll. Dafür können unter anderem abgedunkelte Panoramafenster und ein Audiosystem sorgen. 

Der ASB Sachsen-Anhalt hat seinen bisher einzigen Wünschewagen im August 2018 in den Dienst gestellt. „Wir konnten seitdem 353 Wunschfahrten realisieren“, sagt die verantwortliche Koordinatorin Luisa Garthof. „Im vergangenen Jahr waren es 59.“ Garthof zufolge stehen Fahrten ans Wasser oder in den Harz, in den Zoo und zu Sportereignissen ganz oben auf der Wunschliste. „Wir haben ein Team, das diese Fahrten hauptamtlich plant und vorbereitet. Aber ohne Spenden und die Freiwilligkeit der Menschen, die im Wünschewagen mitfahren, geht das alles nicht.“ Das Schönebecker Projekt ist Garthof bekannt. „Unsere Bewerbung ist raus“, sagt sie.