Leipzig (dpa) l Für Bahn-Pendler, die mit dem Fahrrad in einen Zug der S-Bahn Mitteldeutschland steigen wollen, brechen schwere Zeiten heran. Seit Ende der Sommerferien kontrollieren die Schaffner die Fahrradmitnahme genauer. Fahrräder und Fahrradanhänger dürfen nur dann mitgenommen werden, wenn es die Beförderungskapazitäten zulassen und andere Fahrgäste nicht behindert werden, betonte die Deutsche Bahn.

Ein unbedingter Anspruch auf Beförderung von Fahrrädern besteht nicht. Behinderte Fahrgäste oder Kinder im Kinderwagen haben Vorrang vor der Fahrradbeförderung. Konkret heißt das: Sind alle Plätze für Fahrräder belegt, müssen weitere Zweiräder draußen bleiben.

Es habe viele Beschwerden von Kunden ohne Fahrrad gegeben, auch von rüpelhaftem Benehmen von Radlern sei die Rede gewesen, erläuterte ein Bahnsprecher. Er betonte, dass bei einem 3-teiligen Triebzug bis zu 12 Fahrräder mitgenommen werden dürfen, bei einem 5-teiligen bis zu 24 Fahrräder. "Diese Zahl reduziert sich aber, wenn Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen einen Platz brauchen." Bei den Kontrollen gehe es schließlich nicht zuletzt um die Sicherheit der Fahrgäste. Flucht und Rettungswege dürften nicht durch Fahrräder verstellt werden, betonte der Bahnsprecher.

Ein einfache Lösung gibt es selbst für den Fahrgastverband Pro Bahn nicht. "Es gibt einfach nicht ausreichend Kapazitäten. Man ist zu zögerlich bei der Bereitstellung von finanziellen Mitteln", sagte der Vorsitzende von Pro Bahn Mitteldeutschland, Ronny Hausdorf. Es fehle an Zügen und Lokführern.

Der Lobbyverein Allgemeiner Deutscher Fahrradclub (ADFC) sieht in dem jetzigen Vorgehen der Bahn sogar einen immensen Imageschaden. "Wer eine kostenlose Mitnahme verspricht, darf sich nicht wundern, wenn dieses Angebot auch genutzt wird", sagte der Geschäftsführer des ADFC-Sachsen, Konrad Krause. Aus Marketingsicht sei es doch verheerend, wenn Pendler aus den Zügen geworfen werden. Krause hat überdies Zweifel, dass eine Zunahme von Radpendlern bei der Bahn überhaupt gewünscht ist. "Es fehlt einfach der Ehrgeiz, das Versprechen umzusetzen."

Radstationen an den hochfrequentierten Bahnhöfen, in denen ein Zweirad vor Wetter, Vandalismus und Diebstahl geschützt wäre, könnten laut ADFC eine Teillösung sein. "Es gibt aber trotz zahlreicher Absichtserklärungen noch keine einziges in Sachsen. Dabei wird Radfahren in den boomenden Städten wie Leipzig und Dresden immer beliebter", betonte Krause. Er ist überzeugt, dass die Radfahrer für ein besseres Angebot an sicheren Abstellmöglichkeiten oder mehr Platz in den Zügen durchaus zahlen würden.