Berlin (dpa) l AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland findet, die Deutschen dürften stolz sein auf „die Leistungen deutscher Soldaten“ im Ersten und Zweiten Weltkrieg. Gleichzeitig forderte er, einen Schlussstrich unter die Beschäftigung mit dem Nationalsozialismus zu ziehen. SPD und Grüne werteten seine Äußerungen als weiteren Beleg für rechtsextreme Tendenzen in der AfD.

„Ja, wir haben uns mit den Verbrechen der zwölf Jahre auseinandergesetzt. Und, liebe Freunde, wenn ich mich in Europa umgucke: Kein anderes Volk hat so deutlich mit einer falschen Vergangenheit aufgeräumt wie das deutsche“, sagte Gauland in einem im Internet verbreiteten Video. „Man muss uns diese zwölf Jahre jetzt nicht mehr vorhalten. Sie betreffen unsere Identität heute nicht mehr. Und das sprechen wir auch aus.“

Über das Video berichtete die Internet-Nachrichtenseite Buzzfeed; es findet sich im AfD-YouTube-Kanal. Es zeigt eine Rede Gaulands am 2. September beim sogenannten Kyffhäuser-Treffen der rechtsnationalen AfD-Gruppierung „Der Flügel“. Diese war 2015 von den Landeschefs der AfD in Thüringen und Sachsen-Anhalt, Björn Höcke und André Poggenburg, ins Leben gerufen worden.

Gauland sagte weiter: „Und deshalb, liebe Freunde, haben wir auch das Recht, uns nicht nur unser Land, sondern auch unsere Vergangenheit zurückzuholen. Wenn die Franzosen zu Recht stolz auf ihren Kaiser sind und die Briten auf Nelson und Churchill, haben wir das Recht, stolz zu sein auf die Leistungen deutscher Soldaten in zwei Weltkriegen.“

SPD-Generalsekretär Hubertus Heil schrieb dazu bei Twitter: „Gauland fordert „Stolz“ auf ,Leistungen‘ in Hitlers Vernichtungskrieg. Jeder anständige Mensch erkennt, wie braun die AfD tatsächlich ist.“ Sein Parteikollege, Bundesjustizminister Heiko Maas, sagte der Deutschen Presse-Agentur: „Wer fordert, wir sollten ‚stolz‘ sein auf die Verbrechen deutscher Soldaten im Zweiten Weltkrieg, der muss sich vorwerfen lassen, ein Rechtsextremer zu sein.“ Die AfD wolle offenbar zur „neuen politischen Heimat für Neonazis“ werden.

Protest von der SPD

Der Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, sagt: „Es fehlt mir jede Vorstellungskraft, wie man auf Millionen Tote, barbarische Kriegsverbrechen und eine Zerstörung von ganz Europa auch nur ansatzweise stolz sein kann.“

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz sprach sich für die Beobachtung der AfD durch den Verfassungsschutz aus. „Die völkische Rhetorik auch in der AfD-Spitze zeigt doch, dass man davon ausgehen muss, dass nicht nur an der Basis, sondern auch in der Führung der Partei eine Gesinnung herrscht, die mit den Grundwerten unserer Verfassung nicht vereinbar ist“, sagte Schulz dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. „Die Spitze der AfD ist rassistisch“, fügte der SPD-Vorsitzende hinzu.

Bisher beobachtet der Verfassungsschutz einzelne AfD-Politiker, so etwa den bayerischen Landesvorsitzenden Petr Bystron. Medienberichten zufolge haben die Verfassungsschützer außerdem die „Patriotische Plattform“, eine Gruppe innerhalb der Partei, ins Visier genommen.

Grünen-Chef Cem Özdemir warnte: „Diese Partei ist keine normale demokratische Partei, in ihren Reihen findet sich rechtsextreme Ideologie bis hin zur Spitze.“

Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Volker Beck erklärte, stolz sein könne man nur auf die wenigen Soldaten im Widerstand und auf die Deserteure der Wehrmacht.

Der Vorsitzende der Spaßpartei „Die Partei“, Martin Sonneborn, kommentierte Gaulands Rede im Kurznachrichtendienst Twitter auf seine Weise: „Habe gerade Gauleiter #Gauland gesehen; der arbeitet ja mit den gleichen schmutzigen Mitteln wie wir! #Smiley #EsGabAuchUnschöneSeitenAmWKII.“