London (dpa) l Eine Ära ging zu Ende. Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Votum hat Großbritannien am Freitag um 24 Uhr (MEZ) die Europäische Union verlassen. Das Land war über 47 Jahre lang Mitglied in der Staatengemeinschaft und ihren Vorgängerorganisationen. In einer Übergangsphase bis zum Ende des Jahres müssen London und Brüssel noch ihre künftigen Beziehungen klären.

Begangen wurde der historische Moment in London aus Rücksicht auf die Brexit-Gegner ohne großen Pomp. Big Ben hat aber nicht geläutet. Der Uhrturm des britischen Parlaments wird derzeit aufwendig restauriert und müsste dafür extra hergerichtet werden. Am Parliament Square wehte an allen Fahnenmasten der Union Jack. An die Fassade der 10 Downing Street wurde ein Countdown projiziert.

Trotzdem knallte im Regierungssitz wohl der ein oder andere Sektkorken. Pressefotografen hatten dort bereits vergangene Woche größere Lieferungen englischen Schaumweins erspäht – Champagner aus dem EU-Land Frankreich verbot sich bei dem Anlass selbstredend.

In einer vorab verbreiteten Rede betonte Premierminister Boris Johnson, der Brexit sei kein Ende, sondern ein Anfang. „Es ist ein Moment der echten nationalen Erneuerung und des Wandels“, so der Premier. Seine Aufgabe sei es nun, das Land zu einen und voranzubringen. Die Lebenschancen der Menschen sollten nicht davon abhängen, in welchem Teil des Landes man aufwachse. Das werde nicht mehr akzeptiert. Ausgelassener als Johnson wollte der Chef der Brexit-Partei, Nigel Farage, mit seinen Mitstreitern den EU-Austritt feiern. Ein Feuerwerk wurde Farage allerdings untersagt. Auch in anderen Teilen des Landes waren Feiern angekündigt.

Seine Verhandlungsziele für die künftigen Beziehungen will Johnson nächste Woche vorstellen. Souveränität sei wichtiger als reibungsloser Handel, will er nach einem Bericht des „Telegraph“ in einer Rede als Leitlinie ausgeben. Der Bruch zwischen London und Brüssel soll viel klarer ausfallen als unter Johnsons Vorgängerin Theresa May geplant. Er will sein Land von der Anbindung an EU-Regeln frei machen und die Verbindungen weitgehend kappen.

Enge Anbindung an EU-Standards

Die EU-Kommission fordert indes eine möglichst enge Anbindung an EU-Standards. Unfaire Subventionen sowie Sozial- oder Umweltdumping dürfe es nicht geben, forderte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble geht nicht davon aus, dass nun auch andere Staaten die EU verlassen. „Die Gefahr sehe ich gebannt, der Ablauf des Brexit hat solche Überlegungen in anderen EU-Ländern eher geschwächt.“