Madrid (dpa) In Madrid hat am Montag die 25. Weltklimakonferenz begonnen, aber das Jubiläum mag dort niemand feiern. Wetterextreme haben in diesem Jahr drastisch vor Augen geführt, was der Menschheit blüht, wenn die Erderhitzung nicht eingedämmt wird: Mehr gigantische Wirbelstürme wie über Ostafrika, verheerende Waldbrände wie in den USA und Australien und weiter dramatisch schwindende Eismassen an den Polen und in den Gletschergebieten. Wo steht die Welt in Sachen Klimaschutz? Fragen und Antworten dazu.

Ist die Lage wirklich so düster?

Ja, denn trotz aller Anstrengungen beschleunigt sich die Erderhitzung zurzeit sogar noch. Schon jetzt hat sich die Erde nach Befunden des Weltklimarats um ein Grad aufgeheizt im Vergleich zur vorindustriellen Zeit. Und die vergangenen vier Jahre waren die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Zu den Folgen zählen mehr extreme Wetterereignisse, also je nach Region mehr Hitzewellen, Dürren und Waldbrände, aber auch Stürme, Überschwemmungen und Starkregen. Und das ist erst der Anfang: Geht es weiter wie bisher, läge der Temperaturanstieg Ende des Jahrhunderts bei 3,4 bis 3,9 Grad, wie das UN-Umweltprogramm Unep dieser Tage vorgerechnet hat. Angestrebt werden aber maximal 1,5 Grad, um die gefährlichsten Kipppunkte im Ökosystem zu umschiffen. UN-Generalsekretär Antonio Guterres wählte während der Eröffnungszeremonie in Madrid dramatische Worte. „Wenn wir nicht schnell unseren Lebensstil ändern, gefährden wir das Leben an sich“, warnte er zur Eröffnung der zweiwöchigen Konferenz, an der Delegationen aus knapp 200 Ländern teilnehmen.

Im Juni warnte auch Philip Alston, der UN-Sonderberichterstatter zu extremer Armut und Menschenrechten, vor dem Szenario einer „Klima-Apartheid“, in dem die Reichen zahlen, um vor Hitze, Hunger und Konflikten zu flüchten und der Rest der Welt zurückgelassen wird – und leidet.

Wie sieht es hierzulande aus?

Ein im November veröffentlichter neuer Monitoringbericht der Bundesregierung weist nach, dass sich die mittlere Lufttemperatur hierzulande von 1881 bis 2018 um 1,5 Grad erhöht hat. Die Folge: Auch in Deutschland wird das Wetter extremer. Je nach Region kann das mehr Hitze, mehr Starkregen oder auch mehr Hochwasser bedeuten. So haben etwa die Menschen im Nordosten dieses Jahr unter dem zweiten heißen Dürresommer in Folge geächzt, es loderten Waldbrände ungekannten Ausmaßes. Auch in den kommenden Jahren steigen in weiten Teilen Brandenburgs, Mecklenburg-Vorpommerns und Sachsen-Anhalts die durchschnittlichen Temperaturen, während die Niederschläge abnehmen. Gleiches gilt auch für Südwestdeutschland, während etwa in Teilen Hessens mit mehr Regen zu rechnen ist. Und viele Städte am Wasser müssen sich auf mehr Überschwemmungen und höhere Sturmfluten einstellen.

Was tut die Welt?

Das 2015 geschlossene Klimaabkommen von Paris wurde als historischer Durchbruch gefeiert. Mehr als 190 Staaten setzen sich darin zum Ziel, die Erderwärmung auf 1,5 bis maximal 2 Grad zu begrenzen. Aktuell herrscht aber Katerstimmung, denn nach einer neuen Untersuchung sind zwei Drittel der inzwischen rund 180 vorgelegten staatlichen Aktionspläne ungeeignet, die Erderhitzung auch nur zu bremsen. Auch in diesem Jahr dürfte der weltweite CO₂-Ausstoß erneut steigen.

Zwar haben einige Industriestaaten einen Ausstieg aus der Kohle angekündigt, doch beziehen die Staaten der G20 noch immer mehr als 80 Prozent ihrer Energie aus Kohle, Öl und Gas. Weltweit sind trotz des Ausbaus der Erneuerbaren immer noch Zehntausende Kohlekraftwerke in Betrieb, und 1400 neue sind in der Planung oder im Bau.

Worum geht es in Madrid?

UN-Generalsekretär Guterres erwartet, dass die einzelnen Staaten bis spätestens nächstes Jahr ihre Klimaschutzzusagen kräftig nachbessern. Bis jetzt sind sie nämlich bei weitem nicht ehrgeizig genug, um die Ziele des Pariser Abkommens zu erreichen. Es kann also sein, dass es in dieser Hinsicht Neuigkeiten gibt und Staaten ihre Klimaschutzpläne nachschärfen. Aus Sicht von Klimaschützern muss außerdem verhindert werden, dass sich Staaten ihre Einsparungen selbst gutschreiben, diese dann aber auch noch an Drittstaaten verkaufen.