Wahl-Barometer für Thüringen

Um den Spitzenplatz in der Wählergunst kämpft im Freistaat eine Dreiergruppe. Laut der letzten verfügbaren Umfrage vom 9. November 2018 liegt die CDU bei 23 % (2014: 33,5 %), Die Linke erreicht 22 % (28,2), die AfD schafft ebenfalls 22 % (10,6). Die Grünen liegen in Thüringen bei einem möglichen Stimmenanteil von 12 % (6), gefolgt von der SPD 12,0 % (12,4). Die FDP kommt demnach mit 6,0 % (2,5) wieder in den Landtag.

Magdeburg/Erfurt l Thüringen – war da nicht was? Richtig: Nach der letzten Wahl hatte das „grüne Herz Deutschlands“ (Landeswerbung) plötzlich eine knallrote Regierung. Zum ersten Mal in einem deutschen Bundesland stellte die Linkspartei den Ministerpräsidenten. Würde am Rennsteig der Sozialismus wieder errichtet? Nicht mit Ministerpräsident Bodo Ramelow: Er kennt als Westdeutscher die DDR nur vom Hörensagen, macht sich für die Aufklärung des dort geschehenen Unrechts stark und ist bekennender Christ.

Mit Leutseligkeit und Pragmatismus schaffte es Ramelow, dass die Kritik weitgehend verstummte. An der Spitze der Koalition aus Linken, SPD und Grünen hat er es geschafft, Thüringen auf vielen Feldern weiter einen Spitzenrang unter den ostdeutschen Länder zu sichern. Der Dreierbund will weitermachen.

Die CDU, vor der rot-rot-grünen Zeit auf den Ministerpräsidenten-Posten in Thüringen abonniert, will das verhindern. Zwei Ziele verfolgen die Christdemokraten beim Urnengang am 27. Oktober dieses Jahres: Rot-Rot-Grün die Mehrheit abjagen und klar die stärkste Partei im Freistaat bleiben.

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CDU, Linke und AfD gleichauf

Aus heutiger Sicht sind das sehr ehrgeizige Marken: CDU, Linke und AfD liegen fast gleichauf. Hinzu könnte ein personelles Handicap kommen: CDU-Landeschef Mike Mohring ist an Krebs erkrankt.

Entscheidend für die politische Konstellation in Thüringen nach der Wahl wird das Abschneiden der AfD. Deren Landeschef Björn Höcke führt den rechtsnationalen „Flügel“ der Partei an, der jüngst vom Verfassungsschutz als Prüffall eingestuft wurde.

Höckes Umtriebigkeit tut das keinen Abbruch: Der aus Hessen stammende Oberstudienrat tourt zu gut besuchten Bürgerstammtischen quer durch Thüringen. Höcke dürfte überhaupt stärker von völkisch auf bürgerlich umschalten: Bei Mäßigung sind mehr Stimmen drin.