Potsdam/Dresden (dpa) | Wenige Tage vor der Landtagswahl in Brandenburg zeichnet sich dort einer Umfrage zufolge ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und AfD ab. In Sachsen hingegen wahrte die CDU von Ministerpräsident Michael Kretschmer ihren Umfrage-Vorsprung vor der AfD. Das geht aus zwei am Dienstag veröffentlichten Insa-Erhebungen für die "Bild" hervor. In beiden Bundesländern wird am kommenden Sonntag, 1. September 2019, ein neuer Landtag gewählt.

In Brandenburg liegt die von Ministerpräsident Dietmar Woidke geführte SPD laut Umfrage ebenso bei 21 Prozent wie die oppositionelle AfD. Im Vergleich zur letzten Insa-Umfrage von vor zwei Monaten legten beide Parteien um jeweils zwei Prozentpunkte zu, während die CDU um einen Punkt auf 17 Prozent abrutschte. Linke (15 Prozent) und Grüne (14) rangieren knapp hinter dem Christdemokraten. Die rot-rote Regierungskoalition hätte damit keine Mehrheit mehr. FDP (5) und Freie Wähler (5) müssten um den Einzug in den Landtag zittern.

CDU steuert auf Wahlsieg zu

In Sachsen scheint die CDU trotz deutlicher Verluste auf einen Wahlsieg zuzusteuern. In der Insa-Umfrage kommt die Regierungspartei auf 29 Prozent der Stimmen. Als stärkste Partei läge sie damit deutlich vor der AfD, die 25 Prozent erreicht. Mit einem Stimmenanteil von lediglich 8 Prozent findet sich die SPD hinter Linken (15) und Grünen (11). Auch dort müssten FDP (5) und Freie Wähler (4) bangen. Die schwarz-rote Koalition in Sachsen könnte damit ebenfalls nicht mehr weiterregieren.

In beiden Fällen gilt angesichts der Umfragen als wahrscheinlich, dass die bisher regierenden Parteien Gespräche mit den Grünen über ein Dreierbündnis aufnehmen – sie haben eine Chance auf große Zugewinne und ein zweistelliges Ergebnis in beiden Ländern. Dann würde in Brandenburg über Rot-Rot-Grün verhandelt, in Sachsen über eine Kenia-Koalition wie in Sachsen-Anhalt.

Parteichef Robert Habeck betonte am Dienstag in Dresden den großen Abstand zwischen Sachsens CDU und seiner Partei: Für ein Bündnis gebe es "überhaupt keinen Automatismus, im Gegenteil", sagte er. Wahrscheinlich habe es "noch nie so schwierige Sondierungen" gegeben, weil "die Gegnerschaft lange geübt und die inhaltlichen Schnittmengen gleich null" seien.

Grünen zu Gesprächen bereit

Habeck sagte, angesichts der Lage seien die Grünen zu Gesprächen bereit, obwohl Äußerungen aus Teilen der sächsischen CDU "Übelstes befürchten" ließen. Über ein Bündnis entscheide "maßgeblich" der Wahlerfolg seiner Partei am kommenden Sonntag. Im Wahlkampf-Endspurt hatte der Bundesvorstand der Grünen zwei Tage in Dresden getagt.

Eine Koalition mit der AfD hat Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) ausgeschlossen. Die Grünen warnen aber vor einem Rechtsruck, Teile der sächsischen CDU seien "nicht immun" gegen die AfD. Habeck wies darauf hin, dass Christdemokraten und AfD in manchen Kommunen Sachsens bereits kooperierten: "Deswegen ist das eine reale Gefahr."

Unter 50 Prozent Wahlbeteiligung

Die Wahlbeteiligung hatte sowohl in Sachsen als auch in Brandenburg bei der vorigen Landtagswahl unter 50 Prozent gelegen. Umfragen würden sich daran messen lassen müssen, ob die Leute zur Wahl gingen, sagte Habeck. In Brandenburg greife die "Bräsigkeit" der rot-roten Regierung wieder um sich. Dort wolle seine Partei Umweltschutz, Wirtschaft und Lebensqualität auch auf dem Land voranbringen.

Die Umfragen wurden vom 19. bis 26. August durchgeführt. In Brandenburg wurden 1019 Menschen telefonisch und online befragt, in Sachsen waren es 1018 Personen. Die maximale statistische Fehlertoleranz liegt den Angaben zufolge bei +/- 3,1 Prozentpunkten.

Überblick zu Umfragen in Sachsen.

Überblick zu Umfragen in Brandenburg.