Maskat (dpa) Im Oman hat nach dem Tod von Sultan Kabus bin Said sein Cousin die Macht übernommen. In einem reibungslosen Übergang legte Haitham bin Tarik Al Said am Sonnabend seinen Eid ab, wie die Regierung in der Hauptstadt Maskat mitteilte. Der im Oman äußerst beliebte Kabus, der das ölreiche Land im Südosten der Arabischen Halbinsel fast 50 Jahre lang regierte, hatte seinen Cousin in seinem letzten Willen selbst zum Nachfolger bestimmt. Kabus starb im Alter von 79 Jahren nach schwerer Krankheit. Er soll Krebs gehabt haben.

Der Mann mit dem akkurat gestutzten weißen Bart war so lange an der Macht wie kein anderer Herrscher der arabischen Welt. Er hatte das Sultanat Oman fast fünf Jahrzehnte im Alleingang regiert und von einem rückständigen Landstrich in einen modernen, prosperierenden Staat verwandelt.

Der Monarch hatte weder Kinder noch Brüder. Seinen Nachfolger legte er in einem Brief fest, den der Verteidigungsrat in Anwesenheit von Mitgliedern der Herrscherfamilie öffnete. Dort war der letzte Wille des Verstorbenen festgehalten.

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Der 65 Jahre alte neue Sultan Haitham war bisher Kulturminister. In seiner ersten Rede sagte er zu, die Politik seines Vorgängers fortzusetzen und sich wie dieser nicht in die inneren Angelegenheiten anderer Länder einzumischen.

Als sich Kabus 1970 an die Macht putschte und seinen Vater aufs Altenteil verbannte, hatte das Land gerade einmal zehn Kilometer asphaltierte Straße. Heute zählen Straßen, kostenlose medizinische Versorgung und beitragsfreie Schulen zu den Errungenschaften der Ära Kabus. Dazu kamen Renten für Alte, Witwen und Waisen sowie ein Mindestlohn. Erdöl hat den Oman und seine Bewohner wohlhabend, aber nicht größenwahnsinnig gemacht.

Der arabische Aufstand 2011 ging fast spurlos an dem Sultanat vorbei. Menschenrechtler beklagen jedoch fehlende Meinungsfreiheit und die Verhaftung von Regierungskritikern in dem autokratisch regierten Land. International positionierte Kabus den Oman als Vermittler. Hintergrund ist, dass sich der Oman einen Namen als „Schweiz des Nahen Ostens“ gemacht hatte und als neutral gilt. Inoffiziell soll der Oman auch Kontakte zu Israel pflegen. Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu bezeichnete Kabus als „herausragenden Anführer“, der den Oman zu einem „bedeutenden und fortschrittlichen“ Land gemacht habe.