Ter Apel (dpa) l Die Niederlande haben eines der strengsten Asylgesetze Europas, doch die Verfahren gehen vergleichsweise schnell über die Bühne. „Qualitativ beispielhaft“ laufe es dort, lobt der Migrationsforscher Dieter Thränhardt von der Universität Münster. Kein Wunder, dass die deutschen Nachbarn begehrlich über die Grenze blicken. Aber läuft dort wirklich alles so viel besser? Der direkte Vergleich ergibt ein gemischtes Bild.

Einer der Hauptunterschiede: Im zentralen Aufnahmelager in Ter Apel im Nordosten des Landes bekommt jeder Asylbewerber bereits zu Beginn einen Rechtsanwalt, betont der stellvertretende Direktor der Asyl- und Immigrationsbehörde, Joel Schoneveld, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. „Wenn sofort alle relevanten Fakten auf den Tisch kommen, verläuft das Verfahren zügiger.“

Fokus auf Zusammenarbeit

In Deutschland wird eine solche Unterstützung zwar von Hilfsorganisationen angeboten, vorgeschrieben ist sie aber nicht. „Schutzsuchende müssen sich in ihrer schwierigen Situation oft selbst um die optionale Rechtsberatung kümmern und das ist oft einfach nicht möglich“, kritisiert die innenpolitische Sprecherin der Linksfraktion im Bundestag, Ulla Jelpke. „So werden viele Schutzsuchende ohne Beratung durch die Anhörungen geschleust und dann im Fließbandverfahren abgelehnt.“

Das niederländische Modell funktioniert, sagen auch Anwälte und das Flüchtlingshilfswerk. „Es gibt weniger Widerspruchsverfahren“, sagt Martijn van der Linden vom nicht-staatlichen Flüchtlingshilfswerk, einem der Partner der Behörde. Auch Experte Thränhardt ist voll des Lobes: „Der Anwalt vermittelt dem Bewerber, wie das Verfahren funktioniert. Und er sorgt dafür, dass der Antrag juristisch gut formuliert ist.“

Der Fokus liegt auf der pragmatischen Zusammenarbeit von Behörden, Hilfsorganisationen, Juristen und Polizei – ein bisschen so wie in den von der Großen Koalition in Berlin geplanten Ankerzentren. Schilder in Ter Apel weisen den Weg zur Schule, zum medizinischen Dienst, zum Flüchtlingshilfswerk, aber auch zu den Büros, wo die Gespräche mit den Beamten stattfinden und später auch die Entscheidung fallen wird.

Das zentrale Lager für Asylsuchende liegt bei Groningen im Nordosten des Landes nahe der deutschen Grenze. Anders als dort, wo Asylbewerber über die ganze Republik verteilt werden, landen in den Niederlanden 90 Prozent aller Flüchtlinge zunächst in Ter Apel. Aktuell sind das rund 2000 Menschen im Monat. Ganz egal, was ihre erste Station in den Niederlanden ist - Venlo, Maastricht oder Amsterdam – sie müssen in den hohen Norden reisen. Mit einer Fahrkarte und einem Zettel mit dem Ortsnamen in der Hand machen sie sich auf den Weg. Das letzte Stück von der Bushaltestelle laufen sie bis zum Eingang des Zentrums, immer an den Feldern entlang.

„Wir wollen die Verfahren so schnell wie möglich abwickeln, aber auch so gründlich wie nötig“, sagt Schoneveld von der Asyl- und Immigrationsbehörde. Nach der Registrierung und einem Gesundheitscheck werden die Asylsuchenden in den Niederlanden in Ruhe gelassen, fünf Tage lang. „Die Leute müssen erst einmal zu Atem kommen“, sagt Asyl-Vizedirektor Schoneveld.

Erst dann beginnt das Verfahren mit einer intensiven Anhörung und der Überprüfung aller Angaben. Die Kernphase des Verfahrens umfasst nur 8 Tage. In Deutschland dauerte es hingegen von der Anhörung bis zur Entscheidung zuletzt im Durchschnitt 4,5 Monate.