Berlin l Irgendetwas muss schiefgelaufen sein bei dieser Studie. Vielleicht knatschten die Marktforscher bei ihren Telefonbefragungen allesamt Kaugummis, sodass manch Angerufener die Fragen falsch verstanden hat. Oder der Praktikant hat über dem Laptop mit der geöffneten Ergebnis-Tabelle Kaffee verschüttet und dann hektisch über die Tastatur gewischt, wodurch ein paar Zahlen durcheinandergeraten sind. Gefühlt kann es jedenfalls nicht stimmen, was ein Meinungsforschungs-Institut jetzt für die Deutschen Presseagentur ermittelt haben will: Im Vergleich aller Jahrzehnte ab den 50ern würden die Deutschen am liebsten in den 80ern leben. Ausgerechnet den 80ern!

Zugegeben, es war nicht alles schlecht damals. Zum Beispiel die Situation für Kindergärtner und Lehrer. Das Einprägen von Namen gestaltete sich stets mühelos bei all den Sandras und Sebastians, den Christians und Katharinas. Heute hingegen benötigt ein Pädagoge im Gruppen- oder Klassenbuch oft eine Extra-Spalte für die jeweilige Lautschrift zum Namen.

Doch diese komfortable Situation täuscht mitnichten über die Grausamkeiten hinweg, denen man in den 80ern ausgesetzt war – genauer gesagt: denen das Auge ausgesetzt war. Wer bitte sehnt sich in eine Zeit zurück, in der Schnauzer und Schulterposter als der letzte Schrei galten? In der man Glitzer-Leggings auch dann ungeniert auf der Straße tragen konnte, wenn man nicht auf dem Weg zu einer Faschings-Party war? In der eine Frisur, die sich am Vorbild des Pudels orientierte, als fetzig bezeichnet wurde? Und in der „fetzig“ ein gängiges Wort war? Allein die Erinnerung erfüllt einen doch mit Begeisterung für den Mode-Alltag 2015. Wobei: Wenn das Auge heute wählen könnte zwischen Glitzer-Leggings und diesen Jogginghosen, die gerade überall durch die Straßen schlumpern ...