Berlin (dpa) l Miniroboter, interaktive Tafeln und Lern-Apps halten Einzug in viele Klassenzimmer. Doch wie sinnvoll sind die digitalen Helfer wirklich? In einem neuen Labor in Berlin, dem "math.media.lab" können Lehrer und Schüler digitale Geräte für den Mathe-Unterricht testen. Außerdem soll das Labor für die Lehrer-Ausbildung genutzt werden. Initiatorin Katja Eilerts von der Humboldt-Universität will für mehr Orientierung sorgen. "Schulen sollen zwar digitale Lehr- und Lernmethoden im Unterricht verwenden, sind aber unsicher, welche Geräte, Apps und Vorgehensweisen geeignet sind", sagt die Expertin für Mathematikdidaktik in der Grundschule. Am Freitag (14. Juni) wurde das Labor offiziell eröffnet.

Bislang werde vieles digitalisiert, ohne vorher die Potenziale für den Unterricht eingehend zu prüfen, sagt Eilerts. "Es gibt Roboter, die ein perfektes Dreieck zeichnen können. Warum aber soll ich 2500 Euro in etwas investieren, dass den Kindern beim Erwerb mathematischer Fähigkeiten überhaupt nicht weiterhilft?" Andere Anwendungen wiederum könnten den Unterricht sinnvoll ergänzen, wie zum Beispiel Lernhilfen, die an den Bedarf angepasst werden können: "Es gibt Erklärvideos in Gebärdensprache für hörgeschädigte Kinder. Das sind inklusive Ansätze, die den Unterricht bereichern."

Im Labor stehen die Roboter Ozobot und Bob3, der Minicomputer Calliope, Lego-Bausätze, iPads mit diversen Mathe-Apps, ein interaktiver Tisch und andere Geräte bereit. Zum Angebot gehören zudem eine Techniksprechstunde, eine Geräteausleihe, Workshops für Schulklassen, Seminare für Studenten und Lehrerfortbildungen. Außerdem wollen Eilerts und ihr Team eine eigene Lern-App entwickeln.

Eigene Lern-App entwickeln.

Im Labor stehen die Roboter Ozobot und Bob3, der Minicomputer Calliope, Lego-Bausätze, iPads mit diversen Mathe-Apps, ein interaktiver Tisch und andere Geräte bereit. Zum Angebot gehören zudem eine Techniksprechstunde, eine Geräteausleihe, Workshops für Schulklassen, Seminare für Studenten und Lehrerfortbildungen. Außerdem wollen Eilerts und ihr Team eine eigene Lern-App entwickeln.

Es gehe darum, digital mündig zu werden, so Eilerts. "Wir wollen das Analoge nicht vollständig durch das Digitale ersetzen, sondern den analogen Unterricht sinnvoll ergänzen und dabei mathematischen Mehrwert generieren. Digitales sollte dabei nicht einfach als gegeben hingenommen, sondern auch aktiv gestaltet werden", betont die Professorin. Laut Eilerts gibt es bereits andere Lernwerkstätten und private Initiativen mit ähnlichen Angeboten. Das Besondere am Berliner Labor sei, dass es in die Lehrerausbildung integriert sei.

In den kommenden Jahren können die Schulen in Deutschland mehr als fünf Milliarden Euro abrufen, um schuleigenes WLAN aufzubauen, interaktive Tafeln anzuschaffen – sogenannte Smartboards – oder auch Tablets zu kaufen. Möglich ist dies durch den Mitte Mai in Kraft getretenen Digitalpakt Schule des Bundes. Immerhin sollen ab dem Sommer für jede der etwa 40 000 deutschen Schulen rechnerisch rund 120.000 Euro zur Verfügung stehen – und so endgültig das Ende des Tageslichtprojektors einläuten.

In Karlsruhe sind Smartboards und schnelles Internet an einer digitalen Musterschule schon jetzt Alltag. Schulleiter Micha Pallesche sieht den Digitalpakt zwar grundsätzlich positiv. Er geht aber davon aus, dass viele Schulen mit dem Geld erstmal einfach einkaufen. Doch die neuen Geräte bringen seiner Erfahrung nach nicht zwangsläufig immer einen Mehrwert. Das neue Berliner Labor sei ein sehr guter und sinnvoller Schritt. "Ein solcher Lernort ermöglicht die Vernetzung von Theorie und Praxis und nimmt dabei nicht nur Lehrkräfte und angehende Lehrkräfte in den Blick, sondern vor allem auch Schülerinnen und Schüler", betont der Rektor der Ernst-Reuter-Schule.