München (dpa) l "Für das, was passiert ist, habe ich keine Worte", hieß es in einer Erklärung, die seine Anwältin zum Prozessbeginn am Dienstag vor dem Landgericht München I im Namen ihres Mandanten verlas. "Schock, Schuldgefühle, Selbstmordgedanken" empfinde er. "Heute kann ich sagen, dass ich die Gefahr vollkommen unterschätzt und mich überschätzt habe."

Der heute 35 Jahre alte Deutsche aus dem Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen war am 15. November 2019 um kurz vor Mitternacht auf der Flucht vor einer Polizeikontrolle auf der Gegenfahrbahn durch die Stadt gerast. Er ignorierte laut Polizei mehrere rote Ampeln und erfasste – nach Angaben der Staatsanwaltschaft mit mehr als 120 Kilometern in der Stunde – zwei 14 und 16 Jahre alte Jugendliche, die gerade die Straße überquerten. Der 14-Jährige starb, die 16-Jährige wurde schwer verletzt.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Mord und Mordversuch vor. Die Verteidigung kritisierte das am Dienstag: "Es handelt sich hier um eine Mordanklage, die vor vier oder fünf Jahren wohl nicht erhoben worden wäre", sagte seine Anwältin. "Wie kommt man dazu, davon auszugehen, dass unser Mandant vorsätzlich Personen ermorden wollte?" Aus ihrer Sicht sollte lediglich eine Verurteilung wegen eines illegalen Autorennens mit Todesfolge in Frage kommen. Damit läge die Höchststrafe bei zehn Jahren.

Im Falle einer Verurteilung des vorbestraften Angeklagten wegen Mordes droht ihm nach Angaben des Gerichts dagegen womöglich sogar die Feststellung der besonderen Schwere der Schuld. Damit wäre eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren so gut wie ausgeschlossen.