Seoul l Knallbunt, aber aufgeräumt, wirkt die südkoreanische Webseite „Fakts about Korea“. Elf Sprachen können ausgewählt werden. Neben Koreanisch auch Spanisch, Englisch, Französisch und eben Deutsch. „Lassen Sie uns wissen, wenn Sie unrichtige Informationen über Korea finden“, heißt es. Auch ein „How-to“-Video ist nicht zu übersehen. In Erklärbär-Manier wird dort beschrieben, wie Bürger aller Staaten mit falschen Informationen über Südkorea umgehen sollten.

„Melden, überprüfen, berichtigen, überwache“, lautet der Werdegang bei einer fehlerhaften Information. Auch eine App wird angeboten

Ministerium der Strippenzieher

Wer steckt hinter der Webseite? Bei genauem Hinsehen fällt dem Betrachter schnell das Logo eines der Ministerien aus Südkorea auf. „Copyright 2016, Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus“, heißt es. Zudem ist eine E-Mail mit „@korea.kr“-Endung und eine Adresse, die zum Sitz des Ministeriums in Sejong führt, angegeben. In die 2012 eröffnete Planstadt zogen damals viele Ministerien aus der Hauptstadt Seoul. Eine schriftliche Nachfrage an die hinterlegte E-Mail-Adresse blieb unbeantwortet.

Gemeldet werden können verschiedenste Kanäle. In der deutschen Version unterscheiden die Südkoreaner zwischen den Kategorien Webseite, Publikation, Einrichtungen wie Museen, Videos, dem Rundfunk und Sonstigem.

Dass tatsächlich eine Behörde hinter der Webseite steckt, musste vor wenigen Wochen die Nordwest-Zeitung aus Niedersachsen erfahren. Dort heißt es: „Grund ist keine politische Berichterstattung, sondern Artikel aus verschiedenen Lokalsport-Redaktionen. Sie alle eint, dass es um Taekwondo geht. Der koreanische Dienst hat festgestellt, dass die Bezeichnung „Taekwondoka“ verwendet wird, die – vom Ministerium gewünschte – offizielle Bezeichnung sei aber Teakwondo-Kämpfer. Mit Bezug auf die Organisation „World Taekwondo“ nennt Kim Jae Hwan, Direktor der Abteilung für auswärtige Medienbeziehungen, „Taekwondo-Kämpfer bzw. Taekwondo-Sportler“ als offizielle Bezeichnung.“

Gleicher Fehler im Archiv

Absender sei der Koreanische Kultur- und Informationsdienst (Korean Culture and Information Service/ kurz KOCIS) gewesen. Dieser unterstehe dem Ministerium für Kultur, Sport und Tourismus. Im Volksstimme-Archiv ist die Bezeichnung Taekwondoka häufig zu finden. Seit über 20 Jahren findet der Begriff Verwendung in den Lokalsport-Redaktionen. Der letzte Artikel erschien dazu am 22. Dezember 2019. Auch unter volksstimme.de befinden sich einige lokale Artikel mit dem aus südkoreanischer Sicht falschen Begriff. Warum die Behörde sich bisher nicht gemeldet hat, ist unklar.

Fakt ist jedoch, dass der Begriff Taekwondoka, anders als beispielsweise Judoka, nicht im Duden zu finden ist. Jedoch gibt es andere Online-Wörterbücher mit Artikeln zu diesem Wort.

Warum die parlamentarische und demokratisch gewählte Regierung Südkoreas so bedacht auf die ihrer Ansicht nach korrekte Wortverwendung ist, erklärt sich durch die Spannung mit dem Nachbarland Japan. Hauptgrund sind die schmerzhaften Erinnerungen an die Kolonialzeit, in der Südkoreaner im eigenen Land unterdrückt wurden. Seit dem Jahr der Unabhängigkeit 1948 sind andauernde antijapanische Ressentiments weit verbreitet. Da Sportler der japanischen Sportart Judo gerne als Judokas bezeichnet werden, möchte die Südkoreanische Regierung anscheinend diese Nähe zum Nachbarland unbedingt beseitigen. Am liebsten auch in Artikeln aus Sachsen-Anhalt.