Berlin (dpa) l Mehrere Tausend Menschen haben in Berlin gegen einen Aufmarsch von Neonazis anlässlich des Todestags des Hitler-Stellvertreters Rudolf Heß protestiert – stoppen konnten sie ihn aber nicht. Im vergangenen Jahr – zum 30. Todestag – war dies mit Sitzblockaden gelungen. Auch am Samstag kam es zu solchen Protestaktionen. Polizisten lösten diese jedoch auf, indem sie die Menschen wegtrugen. Begleitet von lauten Protestrufen sowie einigen Stein- und Flaschenwürfen marschierten mehr als 600 Rechtsextremisten schließlich durch den östlichen Stadtteil Friedrichshain. Am frühen Abend löste sich der Aufmarsch auf.

Ursprünglich hatten die Neonazis ihren Aufmarsch im westlichen Stadtteil Spandau geplant, in der Nähe des früheren Gefängnisses, in dem sich Heß am 17. August 1987 selbst tötete. Dort erschienen aber lediglich etwa 50 Menschen, und der Marsch wurde nach Friedrichshain verlegt, wo kurzfristig vor dem Wochenende ebenfalls eine Demonstration angemeldet worden war.

Brennender Lastwagen

Mehrere Hundert Gegendemonstranten zogen von Spandau nach Friedrichshain, darunter einige Dutzend Linksautonome. Polizisten beobachteten nach Angaben eines Sprechers auch Vermummte. In der Nähe der Demonstrationsstrecke brannten am Nachmittag ein Auto und ein Lastwagen, wie ein Polizeisprecher sagte. Einen Zusammenhang schlossen die Ermittler nicht aus.

Die Stimmung an der Strecke des Neonazi-Aufzugs war aggressiv. Beide Lager riefen sich gegenseitige Beschimpfungen zu. Immer wieder kam es zu Rangeleien mit der Polizei. Steine und Flaschen wurden geworfen. Es gab einige Festnahmen, wie der Polizeisprecher sagte, ohne Details zu nennen.

Hunderte Beamte im Einsatz

Die Polizei war mit mehreren Hundert Beamten auch aus anderen Bundesländern vor Ort, insgesamt 2300. Die überwiegend weiß gekleideten Neonazis, die aus dem gesamten Bundesgebiet angereist waren, wurden einzeln kontrolliert, ob sie sich an die Auflagen hielten. Unter anderem war jede Verherrlichung von Heß in Wort, Schrift oder Bild untersagt. Zunächst gab es laut Polizei zwei Fälle, in denen ein Verstoß gegen das Verbot von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen auffiel.

Parteien, Gewerkschaften, Kirchen und Initiativen hatten zu Kundgebungen und Demonstrationen gegen die jährliche Neonazi-Veranstaltung aufgerufen. Deren Schwerpunkt lag in Spandau. So beteiligten sich bis zu 3000 Menschen an einem Fest der Demokratie am Ort des früheren Kriegsverbrechergefängnisses. Zudem gab es weitere Demonstrationen und Kundgebungen.