Houstoun l Der arktische Wintersturm in der vergangenen Woche hinterlässt in Texas (USA) verheerende Schäden. Über vier Millionen Menschen bekamen mehrere Tage lang keinen Strom. Einige hatten Glück, dass ihre Heizung noch ging.

Doch dieser scheinbare Vorteil entwickelte sich zu ihrem Alptraum. Nun zahlen sie dafür einen Preis, im wahrsten Sinne des Wortes. In den vergangen Wochen schossen die Stromgebühren in die Höhe. Laut Washington Post beklagen verärgerte Verbraucher in sozialen Netzwerken Bilder von gigantischen Rechnungen über 5000 Dollar oder mehr für nur fünf Tage. Ein 63-jähriger Veteran der US-Armee etwa soll 16.752 Dollar zahlen. Wie konnte es dazu kommen?

 

Zahlreiche Anbieter konkurrieren

Der Energieversorgermarkt ist in dem US-Bundesstaat seit zwanzig Jahren weitestegehend dereguliert. Seitdem Beschluss der regierenden Republikaner, wurde das texanische Netz von den angrenzenden Bundesstaaten getrennt. Zahlreiche Anbieter konkurrieren seitdem um die Kunden.

Der Strompreis einiger Anbieter orientiert sich nachdem Großmarktpreis, heißt die Preishöhe stellt sich aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage zusammen. In normalen Zeiten ist dies durchaus von Vorteil. Doch während des eiskalten Sturms stieg der Großhandelspreis um bis zu 10.000 Prozent.

Stromnetz kurz vor dem Zusammenbruch

Die "Dallas Morning News" berichtet, dass ein Stromversorger mit Grosskundentarif seinen Kunden vor der Kältewelle empfohlen hatte, den Anbieter zu wechseln, um teure Rechnungen zu vermeiden. Doch dafür sei die Zeit laut Nutzern zu knapp gewesen.

Gleichzeitig fielen reihenweise Kraftwerke aus, zwischenzeitlich fehlten 40 Prozent der Stromversorgung. Der Regulierungsbehörde Ercot zufolge stand Texas kurz vor dem Zusammenbruch des ganzen Stromnetzes.

Mittlerweile wurden die meisten Haushalte wieder mit Strom versorgt. Bestehen blieb jedoch doch die Sorge um die Wasserversorgung. Die Stadt Houston rief die Bürger weiter dazu auf, Leitungswasser vor dem Trinken abzukochen. Mancherorts bildeten sich Schlangen vor Kirchen oder Parkplätzen, wo Trinkwasser verteilt wurde.

Der Staat soll helfen

Lokale Politiker drängen nun auf schnelle Hilfe des Staates. Dieser solle in einer solchen Notsituation die zusätzlichen Kosten übernehmen. "Die Rechnung sollte an den Staat Texas gehen", sagte Houstons Bürgermeister Sylvester Turner in einem Interview mit CBS News am Sonntag. Auch die Bürgermeisterin von Fort Worth, Betsy Price, sagte gegenüber CBS, dass sowohl der Staat als auch die Bundesregierung bei den Rechnungen helfen sollten.

Der amerikanische Präsident Joe Biden genehmigte am Samstag eine Katastrophenerklärung für Texas, die den vom Sturm geschädigten Menschen Mittel aus dem Bundeshaushalt zur Verfügung stellt. Dazu sollen Unterstützung für vorübergehende Notunterbringung und kostengünstige Kredite gehören. Er will am kommenden Mittwoch nach Texas reisen.