Magdeburg l Als vor 50 Jahren die ersten Apollo-Astronauten auf dem Erdnachbarn landeten, nahmen sie wie Camping-Urlauber alle notwendigen Dinge mit, die man für einen Kurzausflug braucht. Wer länger auf dem Mond verweilen möchte, der sollte lernen, die Ressourcen des Erdtrabanten zu nutzen. Das Mondgestein enthält zahlreiche Rohstoffe, die nutzbar für den Bau künftiger Monddörfer sind, die der Esa-Generaldirektor Johann-Dietrich Wörner vor drei Jahren vorschlagen hat.

Leider ist der Hausbau auf dem Mond deutlich komplizierter als der Hausbau auf der Erde. Wichtige Zutaten, insbesondere flüssiges Wasser, fehlen auf dem Erdtrabannten. Gleiches gilt für biologische Baurohstoffe wie Holz, Lehm und Stroh.

Erfahrungen aus dem Apollo-Mondprogramm

Alle Fertigbauteile von der Erde zum rund 400.000 Kilometer entfernten Mond zu bringen, ist um ein Vielfaches teurer als der Zusammenbau der Internationalen Raumstation ISS in einer nur rund 400 Kilometer hohen Erdumlaufbahn. Ihr Aufbau kostete rund 100 Milliarden US-Dollar.

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Schon vor über 50 Jahren schlugen Raumfahrtingenieure in den USA vor, Bausteine und Ziegel für eine künftige Mondstation aus dem Mondstaub „zu backen“. Damals wusste noch niemand, woraus der Mondstaub besteht und wie er beschaffen ist. Nach Analysen der rund 380 Kilogramm Mondgesteine, welche die Apollo-Astronauten und die sowjetischen Lunasonden zur Erde brachten, enthalten diese viele wertvolle Rohmaterialien, darunter das als Baustoff und in der Chip-Industrie begehrte Silizium. Auch Aluminium, Magnesium und Titan stecken unter anderem im Mondgestein.

Das von den Apollo-Astronauten mitgebrache Original-Mondmaterial ist allerdings zu wertvoll, um es für Bauexperimente auf der Erde zu verschwenden. Deshalb hat die Nasa ein Ersatz-Material mit vergleichbaren Eigenschaften aus irdischen Vulkanaschen entwickelt. Ein Kilo des künstlichen Mondstaubes kostet nur etwa 1000 US-Dollar, so der Mondbauexperte David McKay vom Johnson-Raumfahrtzentrum der Nasa in Houston jüngst im Fachmagazin „SpaceNews“. Auch deutsche Forscher an den Universitäten in Stuttgart und München arbeiten mit künstlichem Mondgestein.

Vor extremen Temperaturen schützen

Mondhäuser müssen extreme Temperaturunterschiede aushalten. Zwischen Tag und Nacht schwanken die Temperaturen auf der Mondoberfläche zwischen etwa minus 160 Grad und plus 130 Grad Celsius. Thermisch ausgeglichener sind vermutlich die Bedingungen in den einstmals von Lava geschaffenen Hohlräumen, die vor wenigen Jahren auf hochauflösenden Bildern des US-Mondorbiters LRO entdeckt wurden. Eine Alternative zum Ausbau von Mondhöhlen sind kuppelförmige Bauten, ähnlich den Iglus der Eskimos. Die Idee, die derzeit mehrere Forschergruppen in den USA und Deutschland verfolgen, ist der automatisierte 3-D-Druck von Hausbauteilen auf dem Mond. Roboter sollen die Bauteile zu kuppelförmigen Mondgebäuden zusammenfügen.

Praktisch ohne Hilfe eines Menschen würde so ein Wohn- und Arbeitsstätte entstehen. Die Tauglichkeit des 3-D-Drucks unter den Bedingungen der Schwerelosigleit und unter Abwesenheit von flüssigem Wasser wollen Wissenschaftler des Laser Zentrums Hannover e. V. und der Technischen Universität Braunschweig in wenigen Jahren mit einem Mondlande-Roboter einmal testen.