Seit 2003 in Magdeburg

Schuberth kann auf eine lange Tradition zurückblicken. 1922 in Braunschweig als Möbeltischlerei gegründet, wurde 1952 der erste Arbeitsschutzhelm vorgestellt. Zwei Jahre später präsentierte die Manufaktur den ersten Motorradhelm. Als Familienbetrieb wurde Schuberth zum größten Helmproduzenten Europas.

2003 entschied sich die Geschäftsführung zum Umzug. In Magdeburg ließ Schuberth für rund 17 Millionen Euro ein neues Werk bauen. Ausschlaggebend für den Standort war auch die hohe öffentliche Förderung. Mit rund sieben Millionen Euro unterstützte das Land die Ansiedlung.

2006 verkaufte die Familie das Unternehmen an die amerikanische Investorengruppe SIG. 2013 erwarb der Perusa Fonds die Mehrheitsanteile an Schuberth. Erst in diesem Jahr vollzog der Helmhersteller seinen Umzug nach Magdeburg: Im Sommer ging ein Windkanal in Betrieb, der sich zuvor noch in Braunschweig befand. Neben Motorradhelmen stellt Schuberth auch Kopfbedeckungen für Polizei, Feuerwehr, Militär, Motorsport und den Arbeitsschutz her. (ba)

Magdeburg l Bei einer BMW-internen Qualitätskontrolle sind die Helme aus Magdeburg durchgefallen. Das Modell „BMW Helm Sport“ habe eine europaweit geltende Norm bei der Schlagdämpfungs-Prüfung nicht erreicht, bestätigte eine BMW-Sprecherin. Bei diesem Test wird überprüft, ob der Helm den Kopf des Motorradfahrers bei einem Unfall ausreichend schützen kann. Ein Sicherheitsrisiko besteht laut BMW nicht, dennoch nehmen die Bayern den festgestellten Qualitätsmangel ernst: Besitzer sollen den Kopfschutz zum Händler zurückbringen.

Fertigung gestoppt

Seit 2008 werden Helme dieses Typs von Schuberth in Magdeburg hergestellt. Betroffen vom Rückruf ist die komplette Produktion – rund 20.000 Stück. Für Schuberth hat das Konsequenzen: BMW hat die Fertigung des Modells vorzeitig beendet. Ursprünglich sollte der Helm noch bis Mitte des kommenden Jahres von Schuberth hergestellt werden.

Der Helmspezialist gibt sich wortkarg. Auf Anfrage bestätigte ein Sprecher: „Es ist richtig, dass BMW einen Rückruf getätigt hat. Dieser Rückruf betrifft Helme aus unserer Produktion.“ Bei Schuberth werde während der Fertigung der Helme dreimal die Qualität überprüft. Warum die Magdeburger den von BMW beanstandeten Mangel nicht selbst erkannt haben, beantwortete Schuberth nicht. Weitere Auskünfte könne nur BMW erteilen.

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BMW-Auftrag noch bis 2017

Die Münchner lassen seit den Neunzigerjahren Helme mit ihrem Emblem bei Schuberth herstellen. Derzeit wird in der Elbestadt noch das Modell der „System-7“-Serie produziert. Bis Ende 2017 läuft ein entsprechender Auftrag. Schuberth bekräftigte, dass die Zusammenarbeit mit BMW fortgesetzt werde.

Das Geschäft mit dem Zweirad-Kopfschutz macht nur einen Bruchteil der Produktion aus. Etwa 900.000 Helme stellt Schuberth jährlich her. Der Großteil – rund 610.000 Stück – sind Arbeitshelme. Im ursprünglichen Kerngeschäft Motorrad fertigt Schuberth rund 175.000 Helme. Der Rest entfällt auf Polizei, Feuerwehr und Militär. Auch dort soll es Probleme geben.

Probleme in der Schweiz?

Seit Jahren beliefert Schuberth unter anderem die Schweizer Armee. Eine Lieferung sollen die Schweizer beanstandet und die Kugelsicherheit der Helme angezweifelt haben. „Gegenwärtig laufen Qualitätskontrollen und Abklärungen“, teilte dazu eine Sprecherin des schweizerischen Bundesamtes für Rüstung mit. Schuberth wollte sich auf Anfrage nicht dazu äußern.