Nach monatelanger Zitterpartie hat der Fahrradbauer Mifa aus Sangerhausen einen neuen Eigentümer. Im Interview erklärt der neue Besitzer Stefan Zubcic, wie er das Unternehmen wieder auf Kurs bringen will und wie ein neuer Name dabei helfen soll.

Volksstimme: Herr Zubcic, wie fühlen Sie sich, nachdem der Kaufvertrag für Mifa unterschrieben ist?

Stefan Zubcic: Ich bin erleichtert, dass die intensiven Anstrengungen der letzten Wochen zum Erfolg geführt haben. Sie können sich vorstellen, dass wir seit sechs Wochen ununterbrochen an dem Thema diskutiert, verhandelt und geforscht haben. Das war schon ein heißer Ritt auf der Rasierklinge. Ich freue mich auf das, was jetzt kommt.

Mifa wird unter Ihnen als Eigentümer einen anderen Namen tragen. Warum?

Mifa wird nicht mehr Mifa heißen. Wir haben den Namen in Sachsenring Bike Manufaktur geändert. Diese Entscheidung ist uns schwergefallen. Der neue Name ist auch Ausdruck des entsprechenden und konsequenten Neuanfangs. In der Vergangenheit hatte es Probleme gegeben, die unterschiedlichen Marken der Mifa auf dem Markt zu positionieren. Dabei hat die entsprechende Historie mit den Insolvenzen immer wieder negativ durchgeschlagen. Ich will jetzt einen klaren Schnitt machen, sowohl nach innen als auch nach außen. Die Insider wissen natürlich, dass Sachsenring Bike Manufaktur weiterhin Mifa ist. Durch die Umbenennung wollen wir aber versuchen, uns größere Freiräume zu erschließen.

Bilder

Sie haben vor drei Jahren Teile der früheren „Trabi“-Schmiede Sachsenring übernommen. Warum heißt Ihr Fahrradbauer jetzt auch so?

Ich bin ein Fan klarer Strukturen. Ich versuche eine Gruppe zu formen. Zwischen einem Auto-Zulieferer und einem Fahrradbauer gibt es im weiteren Sinne auch einen Mobilitäts-Zusammenhang. Und man muss auch sagen: Mifa ist eine alte ostdeutsche Traditionsmarke, Sachsenring genauso. Da lag dieser Schritt nahe. Der Name Mifa stirbt aber nicht aus, sondern wird als Marke für Fahrräder weiter existieren.

Wie wollen Sie die Sachsenring Bike Manufaktur nun auf Kurs bringen?

Der Plan ist, alte Mifa-Tugenden neu zu beleben. Das heißt, wir werden unsere Kapazitäten und Ressourcen so einsetzen, dass wir möglichst schnell wieder Geld verdienen. Dazu gehört ein stringentes Kostenmanagement: Die Fixkosten müssen runter. Wir leisten uns Dinge, die wir bezahlen können und machen das, was bisher gut gelaufen ist. Da aus meiner Sicht mit diesem Konzept das Risiko nach unten begrenzt ist, bieten sich langfristig viele Chancen.

Zu Ihrem Plan gehört auch der Rückzug in das alte Werk in die Innenstadt Sangerhausens. Wie viel sparen Sie durch diesen Schritt?

Das möchte ich nicht sagen, es ist aber ein signifikanter Betrag. Wir haben jetzt einen Mietvertrag, der flexibel gestaltet ist. Aber auch ein Kauf ist noch im Gespräch. Der Landkreis Mansfeld-Südharz hat uns sehr unterstützt. Dafür möchte ich mich bedanken. Wir sind bereits dabei und ziehen mit den bestehenden Lagerbeständen und Produktionsanlagen um. Sicherlich haben wir durch den Rück-Umzug einige Annehmlichkeiten aus der neuen Halle nicht mehr. Aber die Produktion hat früher in den alten Hallen auch gut funktioniert.

Das Hochregal-Lager am alten Standort gehört allerdings noch der Familie von Nathusius. Übernehmen Sie das auch?

Wir beziehen den kompletten alten Standort, aber ohne Hochregal-Lager. Da gibt es noch keine Einigung. Aber es wäre schön, wenn wir die Flexibilität hätten, irgendwann mal darauf zuzugreifen.

Haben Sie darüber nachgedacht, auch in der neuen Halle zu produzieren?

Selbstverständlich. Es gab kons-truktive Gespräche mit Herrn von Nathusius. Aber sein Spielraum an der Stelle ist eingeschränkt, wenn ich das richtig interpretiert habe. Mein Spielraum ist aber auch eingeschränkt. Von daher sind wir da leider nicht zusammengekommen.

Die Auftragsbücher sind nach der Übernahme leer. Welche Auswirkungen hat das?

Das ist ein schwieriger Punkt. Die ganze Firma war auf die Schließung zum 31. Juli ausgerichtet. Zunächst planen wir bis Ende des Jahres Kurzarbeit. Der Betriebsrat hat dem bereits zugestimmt. Wenn es aber früher besser laufen sollte, können wir auch ganz schnell hochfahren. Schon heute sind wir mit den Materialien, die wir auf Lager haben, sehr kurzfristig in der Lage, auf Kundenbestellungen zu reagieren. Es wird aber eine der großen Herausforderungen sein, das Rad wieder anzustoßen.

Wir werden aber kein Personal abbauen, sondern die bestehende Belegschaft von 130 Mitarbeitern übernehmen. Außerdem werden wir uns an der ein oder anderen Stelle mit Spezialisten verstärken. Dafür haben wir bereits Kontakt mit einigen ehemaligen Mifa-Mitarbeitern aufgenommen.

Sie wollen so auch das Geschäft mit den Supermärkten wieder beleben.

Auf dieses Geschäft werden wir uns zunächst konzentrieren. Erfolgversprechende Gespräche laufen dazu bereits. Ketten wie Aldi, Norma, Metro und Lidl warten aus meiner Sicht auf eine Produktion „Made in Germany“. In der neuen Saison werden wir aber auch auf das Thema Fachhandel übergehen. Auch E-Bikes spielen eine Rolle. Das ist ein Wachstums-Markt, auf dem wir mitspielen wollen. Wir haben reichhaltige Produktionskapazitäten, die wir auch anderen Marken zur Lohnfertigung anbieten wollen.

Ist es auch möglich, dass Sie perspektivisch wieder auf Fördermittel des Landes zurückgreifen?

Wenn wir uns stabilisiert haben und entsprechende Fortschritte vermelden können, hätte ich nichts dagegen, wenn es mal eine Unterstützung gäbe. Stand heute ist aber nichts dergleichen passiert. Das ist auch der Fluch der Vergangenheit, der durchschlägt. Hier ist bei den entsprechenden Stellen überall eine gesunde Skepsis vorhanden. Ich werde mich bemühen, dieses Bild schnell zu verbessern.

Sie haben in den vergangenen Jahren einige angeschlagene Unternehmen übernommen, sind aber kein Fahrrad-Experte. Warum können Sie trotzdem helfen?

Ich habe bei den Restrukturierungen Erfahrungen gemacht, ohne die ich Mifa jetzt nicht angehen würde. Aber Sie legen da auch den Finger in die Wunde: Ich werde sicher auch noch viel lernen und spezifisches Fahrrad-Know-how aufbauen müssen. Es gibt aber Menschen, die mich beraten.

Wie lange wird es dauern, bis die Sachsenring Bike Manufaktur profitabel arbeitet?

Wir müssen jetzt in die Spur kommen. Ob wir das schaffen, entscheidet sich im nächsten Modell-Jahr. Da gibt es kein Vertun. Wir werden nicht jahrelang Geld verschwenden, sondern das Konzept muss jetzt sehr schnell anschlagen. Aber sehen Sie es mir bitte nach, konkrete Zeiten kann und will ich jetzt nicht nennen.