Bremen/Cottbus (dpa) l Ausgediente Windkraftanlagen geraten zunehmend ins Blickfeld. Nicht alle von ihnen können in andere Länder weiterverkauft werden. Es gibt Recycling-Ideen, doch der Markt ist bislang überschaubar - noch.

Die Bremer Firma Neocomp zum Beispiel schreddert ausrangierte Rotorblätter in einer Anlage und vermischt sie danach mit Reststoffen aus der Papierherstellung, wie Geschäftsführer Hans-Dieter Wilcken erläutert. Das Ganze werde an Zementwerke verkauft, die das Gemisch nutzen. Glasanteile der geschredderten Rotorblätter seien im Zement enthalten. „Die Nachfrage ist so hoch, dass wir mehr produzieren könnten“, sagt Wilcken.

Herstellung von Rotorblättern

Die ausrangierten Rotorblätter bezieht die Firma über Ausschreibungen von Windkraftanlagenbetreibern aus ganz Deutschland, aber auch aus dem Ausland wie Dänemark. Zudem nutzt die Firma Produktionsreste, die bei der Herstellung und Verarbeitung von glasfaserverstärkten Kunststoffen und damit auch bei der Herstellung von Rotorblättern anfallen. Die Produktionsreste machen den überwiegenden Anteil des Materials aus, weil es bislang noch nicht genügend Rückläufer von Rotorblättern gebe.

Das Bremer Unternehmen spricht selbst noch von einem Nischendasein auf dem deutschen Markt, aber die Konkurrenz wird in den nächsten Jahren wachsen, wie Wilcken einschätzt.

Einspeise-Grundvergütung

Der Bundesverband Windenergie rechnet damit, dass der Abbau von Windkraftanlagen ab 2021 deutlich zunehmen wird. Denn viele Anlagen fallen ab diesem Zeitpunkt nach und nach aus der staatlich garantierten Einspeise-Grundvergütung (Erneuerbaren-Energien-Gesetz), die eine Laufzeit von 20 Jahren hat. Viele der jetzigen Altanlagen könnten dann von moderneren ersetzt werden, weil sie ökonomischer sind. Ein Weiterbetrieb älterer Anlagen wäre nach Angaben des Verbandes in den meisten Fällen technisch zwar möglich. Ob sich das dann aber ohne Förderung für Betreiber rechnet, ist noch nicht vorhersehbar. Denn den Strompreis 2021 kennt heute noch niemand.

Thema Wiederverwertung

In Deutschland gab es im vergangenen Jahr laut Windenergieverband mehr als 28.000 Windkraftanlagen an Land. 2017 sei das bislang zubaustärkste Jahr gewesen mit fast 1800 neuen Windenergieanlagen an Land. 387 Anlagen seien zugleich als Abbau identifiziert worden. Dem Verband zufolge gibt es Abnehmer in anderen Ländern, zum Beispiel Südosteuropa. Zugleich wird betont, dass angesichts des steigenden Rückbaus die Branche intensiv an Recyclingkonzepten arbeite.

Auch in der Wissenschaft ist das Thema Wiederverwertung von Windkraftanlagen längst präsent. In einem Labor der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg wollen Forscher geschredderte Rotorblätter von ausrangierten Windkraftanlagen und Flugasche, die bei der Stromerzeugung in Braunkohle-Kraftwerken entsteht, zu einem Flugasche-Betonwerkstoff kombinieren. Die recycelten Rotorblatt-Anteile sollen bewirken, dass der Beton bei entstehenden Rissen stabilisiert wird, wie Professor Holger Seidlitz vom Fachgebiet Leichtbau mit strukturierten Werkstoffen erläutert.

Der Bundesverband Sekundärrohstoffe und Entsorgung bemerkt seit Jahren, dass Firmen den Geschäftsbereich Abbau und Recycling von Windkraftanlagen für sich entdecken und nach innovativen Ansätzen suchen. Es handele sich aber noch um einen Nischenbereich, sagt Verbandsreferent Thomas Probst.