Magdeburg/Halle (dpa) l Das vom Bund beschlossene Gesetzespaket für einen sozialen Arbeitsmarkt in Deutschland ermöglicht nach Ansicht von Experten weitere Chancen für Langzeitarbeitslose. "Wir rechnen damit, dass dadurch im Verlauf des nächsten Jahres in Sachsen-Anhalt bis zu 1500 Menschen gefördert werden könnten", sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius. Das betreffe insbesondere Menschen, die aufgrund ihrer langen Arbeitslosigkeit und individuellen Hemmnissen nur wenig Chancen auf Beschäftigung haben und bei denen eine nachhaltige Vermittlung bisher gescheitert sei.

Bedingung sei, dass die Betroffenen älter als 25 Jahre sind und binnen sieben Jahren mindestens sechs Jahre Leistungen der Grundsicherung (Hartz IV) erhalten haben. Sie sollen von Coaches betreut und bei Bedarf zusätzlich weitergebildet werden.

Arbeitsministerin Petra Grimm-Benne (SPD) sagte, das Bundesgesetz könne die Anstrengungen im Land unterstützen und ergänzen. Mit dem Geld vom Bund könnten zum Beispiel Lohnkostenzuschüsse finanziert werden, wenn Unternehmen Langzeitarbeitslose beschäftigten.

Das Gesetzespaket tritt laut Senius am 1. Januar 2019 bundesweit in Kraft. "Ich gehe davon aus, dass wir im Frühjahr mit der konkreten Umsetzung im Land durchstarten werden", sagte er. Das Spektrum möglicher Arbeitgeber sei vielfältiger als bei bisherigen Programmen der öffentlich geförderten Beschäftigung. In Betracht kämen etwa kommunale Einrichtungen, Vereine, aber auch privatwirtschaftliche Unternehmen.

Coaching, Qualifizierung und Praktika

"Im Vergleich zu früheren Beschäftigungsmodellen stehen mit dem Teilhabechancengesetz nunmehr längerfristige Unterstützungsleistungen zur Verfügung. Dazu gehören Coaching, Qualifizierung, Praktika und Lohnkostenzuschüsse", erklärte er. Wichtiges Element des sozialen Arbeitsmarktes sei die beschäftigungsbegleitende Betreuung. Sie soll Menschen den Einstieg in den Arbeitsprozess erleichtern und bei auftretenden Problemen sofort unterstützen.

Der Bund stelle für die Umsetzung des Gesetzespakets zum sozialen Arbeitsmarkt Mittel in Höhe von insgesamt vier Milliarden Euro zunächst bis 2022 zur Verfügung. Davon entfallen laut Senius voraussichtlich 40 Millionen Euro auf Sachsen-Anhalt. Im Land gab es im November rund 29.500 Langzeitarbeitslose, darunter haben rund 16.500 Männer und Frauen seit mehr als zwei Jahren keinen Job.

Das Land hatte nach Angaben der Ministerin bereits Ende 2017 ein eigenes Programm zur Unterstützung von Langzeitarbeitslosen aufgelegt. Es soll Menschen erreichen, die von klassischen Arbeitsmarktprogrammen nicht erfasst werden. "Menschen, die zunächst einmal wieder aktiviert und sich an einen strukturierten Tagesablauf gewöhnen müssen", sagte Grimm-Benne. In dem Programm stehen 2070 Beschäftigungsplätze zur Verfügung – die Teilnehmer arbeiten zum Beispiel bei der Magdeburger Tafel oder führen Besucher durchs Technikmuseum Hugo Junkers in Dessau.

Bislang haben laut Arbeitsministerium rund 2700 Langzeitarbeitslose an dem Landesprogramm teilgenommen. "Manche Teilnehmer sind schon nach ein paar Monaten aus dem Programm wieder rausgegangen, weil der Arbeitsmarkt das hergegeben hat", sagte Grimm-Benne. Sie hätten eine Beschäftigung gefunden oder konnten in andere Programme der Agenturen und Jobcenter aufgenommen werden. 2018 hätten es 28 Teilnehmer wieder in den ersten Arbeitsmarkt geschafft. Auch wenn die Zahl angesichts mehrerer Tausend Teilnehmer gering anmutet, äußerte sich die Ministerin zufrieden. "Es zeigt, dass unser Programm funktioniert. Es führt zu einer wirklich guten Vermittlung", sagte Grimm-Benne.