Am Mittwoch ist ein großer Tag für warme Worte: Seit fast drei Jahrzehnten sind die Deutschen wieder in einem Land vereint. Welch ein Sieg der Freiheit über die Willkür, welch ein Glück für alle!, wird zu hören sein. Doch die Tränen der Rührung sind getrocknet. Die Spuren der Teilung bleiben.

Es fehlt im Osten die satte Klientel, die sich nach dem Krieg im Westen Wohlstand schuf und eine Bürgergesellschaft formte, die zwar Brüche, aber keine revolutionären Umbrüche erlebte. Ein Vorsprung, der durch die Abwicklungsmaschinerie der 90er Jahre in der Ex-DDR noch vergrößert wurde. Die mentale Rückwirkung zeigt sich im verbreiteten ostdeutschen Gefühl der Minderwertigkeit, das zunehmend in Trotz umgeschlagen ist.

Nahe an der Wirklichkeit ist wohl Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff. Er glaubt, dass die Folgen der Teilung noch bis zum Ende des Jahrhunderts spürbar sein werden. Niemand hätte aber etwas dagegen, wenn sich diese Frist verkürzen würde.