Magdeburg l Die Jobbörse Stepstone hat herausgefunden, dass Fachleute im Osten bis zu 20 .000 Euro pro Jahr weniger als im Westen verdienen. Zitat: „Während das Bruttodurchschnittsgehalt einer Fachkraft im Westen Deutschlands aktuell bei 56 .800 Euro liegt, verdient ihr Pendant im Osten im Schnitt 44 .700 Euro – ein Unterschied von 27 Prozent.“ Berlin bilde mit 50.700 Euro eine Ausnahme.

Wie fern die angestrebte Angleichung der Lebensverhältnisse ist, zeigen auch Daten des Statistischen Bundesamtes. Die durchschnittlichen Konsum- ausgaben der privaten Haushalte lagen im Osten bei 2078 Euro. Das sind gerade mal 80 Prozent der 2587 Euro im Westen. In der Ausgabenstruktur gibt es aber kaum Unterschiede: Für Wohnen, Essen und Bekleidung gehen im Westen 53,6 Prozent des Budgets drauf, im Osten sind es 53,3 Prozent.

Was kann getan werden?

Zur Ost-West-Schere bei der Lebenslage erklärt Katja Pähle, SPD-Fraktionschefin im Landtag, gegenüber der Volksstimme: „Klar ist, dass auch beinahe 30 Jahre nach der friedlichen Revolution nicht alle Ungleichheiten beseitigt sind. Wir brauchen mehr hochwertige Arbeitsplätze und Konzernzentralen im Osten.“ Nur fällt das nicht vom Himmel, was kann also weiter getan werden? Pähle: „Das gilt auch für die öffentliche Hand, da muss die Politik eingreifen. Wir brauchen hier noch mehr Einrichtungen des Bundes. Es geht um die bessere Wahrnehmung der ostdeutschen Länder.“

Schwer wiegt auch der Bevölkerungsverlust seit der Wende. Rund zwei Millionen Einwohner hat Ostdeutschland seit der Wende verloren, konstatiert das Statistische Bundesamt. 16,2 Millionen Menschen leben hier gegenüber 66,6 Millionen im Westen, was ein Plus von fünf Millionen Einwohnern bedeutet. Eine Annäherung gibt es bei der Kinderbetreuung. Von den Drei- bis Fünfjährigen besuchen im Osten einschließlich Berlin 94,8 Prozent eine Betreungseinrichtung, im Westen sind es 93 Prozent.

Einen Blick weit nach vorn ins Jahr 2045 wirft die Prognos AG in einer Studie. Darin wird nach dem Aufholprozess der vergangenen Jahre ein wieder wachsendes Wohlstandsgefälle vorhergesagt. Die Wirtschaftsleistung im Osten, die heute bei drei Vierteln des westdeutschen Wertes liege, werde bis 2045 auf zwei Drittel sinken. Als Gründe werden Abwanderung und geringe Geburtenzahlen genannt. Sachsen-Anhalt liegt in der Prognos-Studie im Ländervergleich mit einem Bevölkerungsverlust von 21,3 Prozent bis 2045 an letzter Stelle. Die Forscher erwarten aber nicht nur ein West-Ost-Gefälle, sondern auch eine Nord-Süd-Schere zugunsten der süddeutschen Länder.

Hohe Rückkehrbereitschaft

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) will das so nicht stehen lassen: „Seit 2014 haben wir in Sachsen-Anhalt einen positiven Wanderungssaldo, es ziehen mehr Menschen in unser Land, als es verlassen. Auch die Bevölkerungsentwicklung insgesamt ist positiver als in vielen Prognosen vorhergesagt. Die Rückkehrbereitschaft vieler Ostdeutscher war im Übrigen noch nie so hoch wie jetzt. Diese Chance müssen wir nutzen.“ Haseloff erklärt auch: „Die Fortschritte in den vergangenen 28 Jahren sind offensichtlich. Die Einheit brachte dem Osten einen massiven Modernisierungsschub.“

Richtig sei aber auch, dass Ostdeutschland durch den hohen Altersdurchschnitt vor großen Herausforderungen bei der demografischen Entwicklung stehe. „Hier müssen wir mit aller Kraft gegensteuern und zum Beispiel durch die Novellierung der Kinderförderung noch familienfreundlicher werden. Zudem muss Sachsen-Anhalt für Facharbeiter attraktiver werden, durch gute Ausbildung und gute Löhne. Hier sind die Unternehmen besonders gefragt.“

Der Kommentar "Trotziger Osten" zum Thema.

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