Magdeburg (dpa) l Innovative Software oder Umstellung auf Online-Beratung: Unternehmen in Sachsen-Anhalt können auf Landesförderung bei der Umsetzung digitaler Geschäftsmodelle hoffen. Anträge sollen ab Herbst gestellt werden können, kündigte Wirtschaftsminister Armin Willingmann (SPD) am Dienstag an. Das Angebot richte sich sowohl an Startups als auch an bestehende Firmen. In beiden Fördertöpfen sollen für die nächsten Jahre jeweils um die sieben Millionen Euro liegen. Allerdings fehle noch grünes Licht aus Brüssel, da dafür EU-Gelder verwendet werden sollen.

Die beiden Programme sind Teil der Mittelstandsförderung. Das zugehörige Gesetz aus dem Jahr 2001 soll angepasst werden, wie Willingmann sagte. Es lege neue Schwerpunkte fest und solle Antragsverfahren vereinfachen. Eine Blaupause soll die bereits laufende Meistergründungsprämie sein.

Willingmanns Vorschlag wurde am Dienstag im schwarz-rot-grünen Kabinett diskutiert. Künftig will das Land neben digitalen Projekten auch die Nachwuchssuche, die Integration von Zuwanderern, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie Unternehmensnachfolgen und Gründer stärker fördern. „Die Förderung der kleinen und mittelständischen Unternehmen bleibt unsere Kernaufgabe“, sagte Willingmann. Firmen fern der Großbetriebe dominieren die sachsen-anhaltische Wirtschaft. Sie machten 99,3 Prozent aller Unternehmen aus und beschäftigten drei Viertel aller Arbeitnehmer, rechnete Willingmann vor. Dabei hätten zwei von drei Klein- und Mittelständlern weniger als fünf Beschäftigte.

Daher sei der künftige Förderschwerpunkt bei der Digitalisierung auch so zentral: Nachdem zunächst vor allem über Breitbandausbau diskutiert worden sei, müsse es im zweiten Schritt darum gehen, die Geschäftsmodelle der Unternehmen umzustellen, sagte Willingmann. Die beiden neuen Programme zielten zum einen auf audiovisuelle Medien, wie Software, Games und Apps ab, sagte Willingmann. Zum anderen gehe es um Geschäfts- ideen, bei denen virtuelle Realität oder neue digitale Vertriebskanäle und Plattformen eine Rolle spielten.

Wichtig sei, dass künftig alle Förderungen so unkompliziert wie möglich erfolgen könnten, sagte Willingmann. So sollen Formulare nur noch entscheidende Informationen abfragen, Verwendungsnachweise einfacher und eher Pauschalen als centgenaue Beträge ausgegeben werden, sagte Willingmann. Bei einigen Förderinstrumenten habe er diese Maxime zuletzt bereits angelegt. Als Beispiel nannte er die vor einem Jahr gestartete Meistergründungsprämie. Bisher nutzten 78 Handwerksmeister den Bonus, um den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen. Damit seien Investitionen in Höhe von fast vier Millionen Euro angestoßen worden. Zehn weitere Anträge würden derzeit geprüft.

Sachsen-Anhalt ist eines von fünf Bundesländern, das einen Bonus an alle Meister zahlt, die einen eigenen Betrieb gründen oder übernehmen. Dafür gibt es einmalig 10.000 Euro, wenn die Jungunternehmer mindestens 15.000 Euro investieren.