Magdeburg (dpa) l Die Ernteausfälle durch die langanhaltende Trockenheit in Sachsen-Anhalt haben nach Einschätzung des Agrarministeriums das Ausmaß einer Naturkatastrophe erreicht. Die Erträge lägen den Schätzungen zufolge landesweit mindestens 30 Prozent unter dem Schnitt der vergangenen fünf Jahre, sagte Landesagrarministerin Claudia Dalbert (Grüne) der Deutschen Presse-Agentur. Das betreffe nicht nur Getreide, sondern auch Mais, Rüben sowie Grünland. Vor diesem Hintergrund werde sie dem Kabinett bei seiner Sitzung am Dienstag vorschlagen, die Dürre offiziell mit einer Naturkatastrophe gleichzusetzen. Damit ist faktisch der Weg geebnet, um staatliche Nothilfen für betroffene Bauern auszuzahlen.

Weil es monatelang kaum oder gar nicht regnete, prognostizieren die Landwirte schon seit Wochen massive Ausfälle. Ihre Pflanzen wuchsen zum Teil kaum oder bildeten nur vergleichsweise mickrige Früchte aus. Auch der Ruf, dass der Steuerzahler die Verluste ausgleichen soll, wurde seither mehrfach erhoben. Vertreter der Landesregierung hatten wiederholt darauf verwiesen, dass vor einer Entscheidung für oder gegen Nothilfen die offiziellen Ernteschätzungen vorliegen müssen. Auch das Bundeskabinett will am Mittwoch über mögliche Unterstützung der Bauern entscheiden.

Verluste erlauben staatliche Hilfe

Die erste Hürde ist mit den jetzigen Berechnungen genommen: Das Ausmaß der Verluste reicht für eine Einstufung als Naturkatastrophe und erlaubt damit staatliche Unterstützung. Allerdings muss die schwarz-rot-grüne Landesregierung dafür grünes Licht geben. Sie hatte sich im Vorfeld bereits darauf verständigt, im jetzt eingetretenen Fall einen Nothilfefonds aufzulegen. Finanzminister André Schröder (CDU) kündigte an, bis zu 15 Millionen Euro an Landesmittel einspeisen zu wollen. Er appellierte ebenso wie Agrarministerin Dalbert an den Bund, sich ebenfalls finanziell zu beteiligen.

Dalberts Ministerium kündigte zudem eine weitere Maßnahme an: Landwirte sollen die Möglichkeit bekommen, auf den Äckern Pflanzen auszusäen, die als Futter genutzt werden könnten. So sollen die Viehbauern unterstützt werden, die wegen vertrockneter Wiesen zu wenig Heu, Silage und Hafer einfahren konnten und mangels grünem Gras auf den Weiden bereits jetzt das Winterfutter nutzen müssen.

Bundesrat muss Ende September zustimmen

Die neue Regelung bezieht sich auf sogenannte Zwischenfrüchte. Die werden für gewöhnlich zwischen zwei Feldkulturen angebaut und nach einigen Wochen in den Boden eingearbeitet, um ihn mit Nährstoffen zu versorgen. Auf Antrag könne in diesem Herbst etwa Klee oder Gras ausgesät und für eigene Zwecke oder Nachbarschaftshilfe als Tierfutter verwendet werden. Statt drei Monaten müssten die ausgesäten Futterpflanzen nur zwei Monate wachsen. Anträge können ab sofort gestellt werden. Damit die Regelung auch greift, muss zunächst jedoch der Bundesrat Ende September grünes Licht geben, hieß es.