Wiesbaden (dpa) l  Trotz internationaler Handelskonflikte und der Abkühlung der Weltwirtschaft gingen nach vorläufigen Daten des Statistischen Bundesamtes im Oktober Waren "Made in Germany" im Wert von 119,5 Milliarden Euro ins Ausland. Das waren 1,9 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. In den ersten zehn Monaten des aktuellen Jahres stiegen die Ausfuhren um 1,0 Prozent auf 1,116 Billionen Euro (1116,4 Mrd.). Von den Wachstumsraten der Boomjahre ist der Export damit weit entfernt.

Die Wirtschaft sieht auch keinen Grund für Optimismus. "Nach wie vor fehlen auf der Bühne der internationalen Handelspolitik die Entspannungszeichen", sagte der Präsident des Bundesverbandes Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA), Holger Bingmann, am Montag. Es täten sich vielmehr immer neue Problemfelder auf. So sei die Welthandelsorganisation WTO durch die US-Blockade bei der Berufung neuer Richter gelähmt. "Ebenso lähmend wirkt der offene Wahlausgang in Großbritannien." Der BGA rechnete zuletzt im Gesamtjahr mit einem Wachstum von maximal 0,5 Prozent im Außenhandel.

Ähnlich argumentierte der Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier. "Das leichte Wachstumsplus im Oktober kann nicht verbergen, dass 2019 ein gebrauchtes Jahr in Sachen Außenwirtschaft ist." Das durchschnittliche jährliche Exportwachstum Deutschlands von rund fünf Prozent sei in weiter Ferne.

Für das laufende Jahr rechnet der DIHK mit einem Plus von 1  Prozent. 2020 könnten die Exporte erstmals seit mehr als zehn Jahren sogar leicht schrumpfen. "In diesem schwierigen internationalen Umfeld ist es umso wichtiger, die Wettbewerbsbedingungen hierzulande zu verbessern. Dazu gehört insbesondere eine international wettbewerbsfähige Unternehmensbesteuerung", mahnte Treier.

Auch Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland, zeigte sich skeptisch: "Die anhaltende Flaute in den Auftragsbüchern ist ein starkes Argument gegen jeden Optimismus."

Die Einfuhren nach Deutschland sanken im Oktober nach Berechnungen des Statistischen Bundesamtes um 0,6 Prozent auf 98,0 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vormonat legten die Exporte um 1,2 Prozent zu, die Importe blieben nahezu unverändert. Volkswirte hatten im Schnitt einen Rückgang der Warenausfuhren um 0,3 Prozent erwartet.