Magdeburg l Der Präsident der Handwerkskammer Magdeburg, Hagen Mauer, sagte bei der Festveranstaltung im Maritim-Hotel in Magdeburg, in Sachsen-Anhalt stünden die Chancen auf eine Firmenübernahme „derzeit so gut wie lange nicht“. Etwa die Hälfte aller handwerklichen Betriebsinhaber sei älter als 50 Jahre – viele suchten einen Nachfolger.

Das ist ein gesamtdeutsches Problem: Bundesweit wollen sich in den nächsten Jahren 236.000 Inhaber aus ihrem Betrieb zurückziehen. Das sind allein sechs Prozent aller kleinen und mittleren Unternehmen bis Ende 2019. Dem aktuellen KfW-Mittelstandsatlas zufolge stellt sich das Problem in Sachsen-Anhalt noch „dringlicher“ als anderswo.

Facharbeiter händeringend gesucht

„Die Konjunktur schreibt schwarze Zahlen, das Handwerk brummt und ächzt gleichzeitig unter einem stärker werdenden Fachkräftebedarf“, sagte Hagen Mauer am Sonnabend. „Lehrlinge, Gesellen und Facharbeiter werden händeringend gesucht.“ Mauer selbst ist Inhaber eines mittelständischen Metallbaubetriebes in der Altmark.

Seit vorigem Jahr fördert die Landesregierung junge Handwerker mit einer Meistergründungsprämie. Das Land hat dafür zunächst 2,6 Millionen Euro bereitgestellt. Handwerksmeister, die zum ersten Mal einen Betrieb neu gründen oder übernehmen, bekommen bis zu 10.000 Euro. Voraussetzung: Es werden Investitionen von mindestens 15.000 Euro vorgenommen. Zudem muss das neue Unternehmen mindestens drei Jahre Bestand in Sachsen-Anhalt haben. Bislang haben mehr als 50 Meister die Prämie beantragt. „Diese Anschubfinanzierung für Jungmeister setzt wichtige Impulse für nachhaltiges Gründer- und Unternehmertum“, sagte Mauer.

Kritik am Koalitionsvertrag

Die Zahl von Betriebsübernahmen ist in Sachsen-Anhalt stetig zurückgegangen. 2010 waren es 75 – sechs Jahre später nur noch 30. Und es werden auch immer weniger neue Betriebe gegründet. 760 waren es 2010. Aber nur noch 154 Meister wagten 2016 den Schritt in die Selbstständigkeit.

Kritik gibt es indes im Handwerk am Koalitionsvertrag von Union und SPD auf Bundesebene. Etwa an der Steuerpolitik. Die Vereinbarungen blieben „trotz momentan sprudelnder Steuereinnahmen und Haushaltsüberschüssen weit hinter dem zurück, was notwendig und möglich gewesen wäre“, sagte Mauer. „Wir fordern in solch konjunkturell guten Zeiten eine Modernisierung der Unternehmensbesteuerung mit dem Ziel, die Betriebe zu entlasten.“ Unzufrieden ist das Handwerk mit der Entwicklung bei den Dieselfahrverboten. Mauer: „Wir sehen nicht ein, dass Handwerksbetriebe über enteignungsgleiche Fahrverbote für die Fehler von Autoherstellern und Politik einstehen müssen.“ Er fordert „mit Nachdruck ein Umdenken“.

Haseloff für Mindestvergütung

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) bekräftigte bei der Veranstaltung am Sonnabend, dass es in Sachsen-Anhalt keine Dieselfahrverbote geben werde. Dafür bekam er viel Applaus. Das Handwerk stehe vor großen Umbrüchen, sagte der Regierungschef. Auch er zeigte sich besorgt über den sich zuspitzenden Fachkräftemangel. In diesem Zusammenhang sprach sich Haseloff in einer engagierten Rede für eine Mindestausbildungsvergütung aus.

In Sachsen-Anhalt gibt es derzeit rund 26.500 handwerkliche Betriebe mit zirka 142.000 Beschäftigten. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe ist deutlich zurückgegangen.

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