Magdeburg l Monatelang war über die chinesische Investition in Magdeburg verhandelt worden. Jetzt sind die Verträge formuliert und sollen unterschrieben werden. Es geht um den Aufbau eines Forschungszentrums mit zunächst 20 Arbeitsplätzen am Magdeburger Wissenschaftshafen in der Theodor-Kozlowski-Straße.

Investor ist die Shenyang Sino-German siasun Education and Technology Group. Mutter ist die Siasun Robot & Automation. Das Unternehmen ist im Jahr 2000 als Ausgründung der chinesischen Akademie der Wissenschaft gegründet worden und hat seinen Sitz in der nordostchinesischen Millionenmetropole Shenyang. Siasun Robot & Automation produziert u. a. industrielle, mobile und Serviceroboter. Vertreter der Shenyang Sino-German siasun Education and Technology Group in Magdeburg ist Songtao Xie. Er sagte der Volksstimme: „Zu unseren Inhalten gehören High-End-Anwendungen für die intelligente Fertigung.“

Mehr Investitionen im Blick

Durchaus für Freude sorgt die Investition nicht allein im Magdeburger Rathaus. Dort sagte Wirtschaftsdezernent Rainer Nitsche: „Wir hoffen, dass dem Roboter-Zentrum weitere Investitionen und damit auch weitere Arbeitsplätze folgen.“

Auch auf der anderen Seite einer Kreuzung des künftigen Standorts für das Roboter-Zentrum blickt man zufrieden auf die Entwicklung. Hier hat das Fraunhoferinstitut für Fabrikbetrieb und -automatisierung (IFF) seinen Sitz. Bereits Hoffnung hatte man sich in Schönebeck auf die chinesische Investition gemacht. Doch den Zuschlag hat Magdeburg bekommen – und das dürfte auch an der Nachbarschaft zum IFF liegen. Christian Blobner ist Leiter des Bereichs „Internationale Forschungsnetzwerke“ am IFF und erläutert: „Durch die Investition werden sich für uns völlig neue Möglichkeiten für Kooperation mit kurzen Wegen ergeben.“ Und klar ist: Die dem Institut namensgebende Automatisierung von Fabriken ist eng mit der Entwicklung von Robotern verbunden.

Stärkung für Standort

Zu verstehen ist der Aufbau des Zentrums in der Nähe zum IFF, in dessen Nachbarschaft sich wiederum der Campus der Otto-von-Guericke-Universität sowie das Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme befinden, als Achtungszeichen für den Forschungsstandort. Neben den öffentlichen Forschungseinrichtungen findet nun nämlich hier auch ein neuer industrieller Forschungspartner einen Platz. „Darüber hinaus wird ein solcher Kontakt auch uns auf dem chinesischen Markt helfen“, sagt Christian Blobner. Schon heute arbeitet das Unternehmen mit sämtlichen deutschen Automobilherstellern zusammen, von denen BMW derzeit in eine massive Produktionserweiterung am Siasun-Heimatstandort Shenyang investiert. Eine gute Zusammenarbeit mit den Chinesen in Deutschland könne auch dort die Türen öffnen, um beispielsweise bei den Töchtern deutscher und anderer europäischer Unternehmen in China gemeinsame Vorhaben auf den Weg zu bringen.

Bei den zeitlichen Perspektiven gab es noch keine konkreten Aussagen. Immerhin hat der Magdeburger Stadtrat den Weg grundsätzlich freigemacht. Denn auf einem Teil des Areals, an dem das Forschungszentrum entstehen soll, war vor Jahren einmal ein vierspuriger Ausbau der Theodor-Kozlowski-Straße vorgesehen. Nachdem aber die Logistikbranche aus diesem Bereich an andere Stellen der Stadt gezogen war, hatten Stadtplaner keine Notwendigkeit mehr für eine Nutzung der Flächen für weitere Fahrspuren gesehen. Trotz dieses Vorlaufs werden die Verfahren zur Bebauung noch ihre Zeit in Anspruch nehmen.