Haldensleben l Nach Angaben der Gewerkschaft Verdi haben am Dienstagmorgen 300 Mitarbeiter des Logistikdienstleisters Hermes Fulfilment in Haldensleben (Landkreis Börde) ihre Arbeit niedergelegt. Der Verdi-Fachsekretär für den Einzel- und Versandhandel in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, Torsten Furgol, sagte: „Es bleiben massenhaft Pakete liegen.“

Hermes widersprach auf Volksstimme-Anfrage dieser Darstellung: „Wegen des Warnstreiks können etwa 30 Prozent der geplanten Tagesmenge erst mit leichter Verzögerung logistisch abgewickelt werden“, sagte Andreas Hennig, Betriebsleiter von Hermes Fulfilment in Haldensleben. Dass Pakete nicht gepackt werden können oder liegen bleiben, sei nicht zu erwarten, so Hennig weiter.

Verdi fordert sechs Prozent

Verdi fordert in den laufenden Tarifverhandlungen für den Einzel- und Versandhandel mehr Lohn und höhere Ausbildungsvergütungen. Bei Hermes Fulfilment, der zur Hamburger Otto Group gehört, arbeiten in Haldensleben rund 3000 Beschäftigte. Sechs Prozent mehr Lohn will Verdi für die Mitarbeiter rausschlagen. Die Gewerkschaft fordert zudem für die unteren beiden Lohngruppen zuvor den Verdienst pauschal um 50 Euro im Monat anzuheben.

Bei Hermes in Haldensleben verdienen Mitarbeiter in den unteren Lohngruppen nach Volksstimme-Informationen 10,57 Euro pro Stunde. Jedoch sind nur wenige Mitarbeiter bei dem Paketlieferdienst in Vollzeit beschäftigt. 80 Prozent der Belegschaft arbeite in Teilzeit, so Hermes. Diese Beschäftigten hätten am häufigsten eine monatliche Arbeitszeit von 130 Stunden vereinbart.

1300 Euro Lohn im Monat

Verdi spricht gegenüber der Volksstimme sogar nur von 120 Stunden und kritisiert: Ein Großteil der Beschäftigten käme deswegen nur auf einen Lohn von rund 1300 Euro brutto im Monat. Viel zu wenig, findet die Arbeitnehmer-Seite. Als Grund für diese Arbeitszeit-Regelungen führt Hermes das Saisongeschäft und individuelle Wünsche der Mitarbeiter an.

Hermes-Standortleiter Hennig hofft nun, dass sich die Tarifparteien in einer der nächsten Verhandlungsrunden auf ein Ergebnis einigen können. Verdi-Sekretär Furgol geht davon zunächst nicht aus und kündigt weitere Streiks an.

Am kommenden Montag sollen in Weimar die nächsten Gespräche zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern stattfinden