Berlin (dpa/vs) l Viele Autobesitzer müssen für ihren Versicherungsschutz immer tiefer in die Tasche greifen. Allein im letzten Jahr stieg die durchschnittliche Jahresprämie in der Kfz-Haftpflicht um 3,1 Prozent, in der Vollkasko um 3,9 Prozent, berichtet die Stiftung Warentest unter Berufung auf Zahlen des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft. Kunden müssen solche Steigerungen aber nicht klaglos hinnehmen. Wer die Preise verschiedener Versicherer vergleicht, kann Geld sparen.

„Ein Wechsel lohnt sich in den meisten Fällen“, sagt „Finanztest“-Redakteur Michael Bruns. Für die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift nahmen er und seine Kollegen 160 Tarife von 73 Versicherern unter die Lupe. Seine Beobachtung: „Der Wettbewerb unter den Anbietern ist groß. Das wirkt sich auch auf die Preise aus.“ Ein 40-jähriger Musterkunde könne schon eine Haftpflichtversicherung für eine Jahresprämie von 288 Euro bekommen. Beim teuersten Anbieter zahlt er für den gleichen Schutz 975 Euro.

Ähnliche Ergebnisse zeigen sich auch bei Vergleichsportalen. Bei Check24 zahlt ein Rentner für einen neuen Vertrag ab Januar zwischen rund 697 und 1334 Euro pro Jahr.

Verivox stellt in Aussicht, dass Kunden für einen neuen Kfz-Haftpflichtvertrag ab Januar im Durchschnitt vier Prozent weniger zahlen als bei einem Neuabschluss zum Januar 2015. Angebote mit Vollkasko sinken in einem Umfang von rund einem Prozent. Diesen Optimismus kann Hans-Jörg Kurth nicht teilen. Der Abteilungsdirektor Kfz-Versicherung bei Sachsen-Anhalts öffentlichem Versicherer ÖSA sieht angesichts der milliardenschweren Hagel- und Sturmschäden an Kraftfahrzeugen in diesem Jahr „keine Entspannung bei den Autoversicherern“. Auch gibt er zu bedenken, dass Verifiox nur einen Teilbereich des Marktes abdecke. Das seien vor allem Versicherungen, die über das Internet verkaufen.

Wichtiger bei einer neuen Kfz-Versicherung „sind die richtigen Bedingungen“, sagt Kurth im Gespräch mit der Volksstimme. Dafür gebe es für die Kunden drei wichtige Prüfsteine: Die Deckungssumme der Haftpflichtversicherung, Versicherung bei Wildunfällen und der Ausschluss des Einwandes der groben Fahrlässigkeit.

Deckungssumme. Die Deckungssumme in der Haftpflichtversicherung sollte für Sachschäden bei 100 Millionen Euro und bei Personenschäden bei 15 Millionen Euro liegen, sagt Kurth. Das kostet zwar oft ein wenig mehr, kann sich im Schadensfall aber auszahlen. Denn die gesetzliche Mindestdeckung bei Sachschäden liegt bei 1,12 Millionen Euro. Wer einen größeren Schaden anrichtet, muss die höheren Kosten übernehmen.

Grobe Fahrlässigkeit. „Der Versicherer sollte auf den Einwand der groben Fahrlässigkeit verzichten“, rät auch „Finanztest“-Redakteur Bruns. Fehlt eine solche Klausel im Vertrag, dürfen die Versicherer die Leistungen in der Teil- und Vollkasko kürzen. „Grob fahrlässig kann es beispielsweise schon sein, wenn man das Navi während der Fahrt bedient“, gibt Bruns zu bedenken. Verzichtet die Versicherung auf den Einwand, wird der Schaden auch in diesem Fall übernommen.

Bei Wildwechseln gibt es ebenfalls Unterschiede zwischen den Bedingungen. „Manche Versicherer zahlen nur bei Wildunfällen mit Haarwild“, sagt Bruns. „Solche Versicherer zahlen aber nur bei einem Zusammenstoß mit einem Wildschwein oder Hirsch.“ Eine Kuh zum Beispiel gilt laut Bundesjagdgesetz aber nicht als Haarwild, auch Hunde fallen nicht unter diese Definition. Deshalb sollte im Versicherungsvertrag „alle Tiere“ stehen oder zumindest „alle Wirbeltiere“.

Sind Marderschäden versichert, sollten Kunden darauf achten, dass auch Folgeschäden abgedeckt sind, rät Kurth.

Rabattschutz. Was Versicherte unbedingt beachten sollten: „Wenn Sie Ihren Rabattschutz in Anspruch genommen haben, lohnt sich ein Wechsel nicht immer“, erklärt Bianca Boss vom Bund der Versicherten. Zwar kann bei einer Anfrage ein Tarif zunächst günstiger sein als der alte. Erfährt der neue Versicherer dann aber, dass der Kunde einen Schaden hatte, rechnet er noch einmal neu. Die Folge können höhere Prämien sein als erhofft.