Berlin (dpa) l Der Ausbau der Elektromobilität in Deutschland soll endlich auf Touren kommen – und zwar gerade auch in ländlichen Gebieten. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund warnte vor einem Fokus auf Ballungszentren. In Großstädten und verdichteten Räumen werde sich der Individualverkehr mittelfristig stark reduzieren – auch wenn er elektrisch betrieben werde, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Deutschen Presse-Agentur. "Ganz anders sieht es in den ländlichen Regionen aus." Auch die Autoindustrie macht sich für einen flächendeckenden Ausbau des Ladenetzes im gesamten Land stark.

Nur ein Drittel der reinen E-Autos ist derzeit in den 81 Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern zugelassen – nämlich 27.800 von insgesamt 83.200 Pkw. Im sonstigen Bundesgebiet haben 55.400 Wagen mit ausschließlich elektrischem Antrieb ihre Halteradresse. Das geht aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der AfD-Fraktion hervor, die auf den jährliche Bestandsdaten des Kraftfahrt-Bundesamts zum Stichtag 1. Januar 2019 basiert.

"Hauptstadt" der reinen Stromer ist demnach München mit 3122 E-Pkw. Es folgen Berlin mit 2713 und Hamburg mit 2233. Privat zugelassen waren bundesweit insgesamt 43.800 reine E-Autos – gewerblich rund 39.400. Bei den Privatzulassungen liegt Berlin mit 952 ganz vorn. Nicht enthalten sind in diesen Zahlen die bundesweit rund 341.000 Hybrid-Fahrzeuge, die einen E-Antrieb mit einem Verbrennungsmotor kombinieren. Insgesamt gibt es rund 47 Millionen zugelassene Pkw.

Reine E-Autos gelten wegen der begrenzten Reichweite der Batterien und des dichteren Ladenetzes bisher eher als Angebot für größere Städte. Allerdings gibt es auch dort Schwierigkeiten. So sei etwa in Hochhaussiedlungen eine belastbare Ladeinfrastruktur für Tausende Fahrzeuge auf kleinem Raum kurzfristig gar nicht darstellbar, sagte Landsberg. Eine flächendeckende gute Ladeinfrastruktur in ländlichen Regionen könne dem Elektroantrieb zum Durchbruch verhelfen – auch mit zunehmender Reichweite der Fahrzeuge. Denn gerade für Pendler würden eigene Fahrzeuge auch künftig eine entscheidende Rolle spielen.

Masterplan soll kommen

Die Zahl öffentlich zugänglicher Stromtankstellen wächst bereits. Ende Juli gab es nach Angaben der Energiebranche bundesweit mehr als 20.500 Ladepunkte, knapp 52 Prozent mehr als vor einem Jahr. Bundesregierung und Autobranche wollen einen "Masterplan" für den Ausbau der Stromtankstellen erarbeiten. Das Laden solle "immer für alle und überall möglich" sein, um "die letzten Bedenken" zu E-Autos zu zerstreuen, hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) betont.

Auch der Verband der Automobilindustrie (VDA) dringt auf Tempo. "Für die EU-Klimaschutzziele bis 2030 müssen dann 7 bis 10,5 Millionen E-Autos auf deutschen Straßen unterwegs sein", sagte ein VDA-Sprecher der dpa am Sonntag. "Das können wir nicht allein mit Blick auf Berlin-Mitte stemmen – es braucht eine flächendeckende Lade-Infrastruktur, bundesweit." Das bisherige Netz reiche nicht aus. Nötig seien eine Million Ladepunkte im öffentlichen Raum, zusätzlich 100.000 Schnellladepunkte und mehrere Millionen private Ladepunkte.

In Einfamilienhäusern mit eigener Garage sei das einfacher zu machen, erläuterte der VDA-Sprecher. Bei Eigentumswohnungen mit einer gemeinsamen Tiefgarage müssten dafür aber rasch die miet- und eigentumsrechtlichen Voraussetzungen geschaffen werden. "Der Hochlauf des E-Auto-Markts wird kommen." Die deutschen Hersteller würden die Zahl ihrer E-Modelle bis 2023 auf mehr als 150 verfünffachen.

Steuerprivileg für Dienstwagen

Das Bundeskabinett hatte vor kurzem auch ein milliardenschweres Paket zur Förderung der E-Mobilität auf den Weg gebracht. Dazu zählt die Verlängerung eines Steuerprivilegs für Elektro-Dienstwagen.