Schönefeld (dpa) l Damit hat wohl keiner gerechnet: Dass das Prestigeprojekt neuer Hauptstadtflughafen BER international zur Lachnummer wird, dass sich die Kosten verdreifachen und es einen Start frühestens im Herbst 2020 geben wird – jedenfalls nach dem aktuellen Zeitplan.

Unwahrscheinlich schien damals auch, wie der Flughafen inzwischen genutzt wird.

Parkplatz: Es klingt paradox, aber eine Parklücke zu finden, ist am BER nicht leicht. In den Parkhäusern stehen Hunderte VW–Neuwagen, die Volkswagen noch nicht verkaufen kann. Die Zulassung lässt auf sich warten, weil sich das Abgastestverfahren ändert. Der BER als VW-Parkplatz? „Es ist zwar nicht unsere Kernaufgabe“, meint Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Aber ein lohnendes Geschäft lasse man sich nicht entgehen. In diesem Jahr überweist VW eine Million Euro Parkgebühr für 8000 Plätze. Nicht wenig, aber auch nicht viel, verglichen mit den 6,5 Milliarden Euro, die der Flughafen bis 2020 verschlingt.

Konzertbühne: „Heldenleben“, das war keine Hommage an all die, die das „Monster“ BER schufen und zu bändigen suchten, nicht an die Aufsichtsräte Klaus Wowereit und Matthias Platzeck, nicht an die Geschäftsführer Rainer Schwarz und Hartmut Mehdorn. Mit Richard Strauss‘ „Heldenleben“ machte das Deutsche Symphonie-Orchester die Terminalvorfahrt zur Konzertbühne. Drinnen Schrauber, draußen Streicher.

Laufstrecke: Für Läufer ist die Start- und Landebahn des BER eine ungewöhnliche Herausforderung. Einmal im Jahr gibt der Flughafenchef im Sonnenuntergang den Startschuss für den Airport Night Run. Dann werden auch die Leuchten an den Pisten eingeschaltet, die Piloten nachts beim Landen helfen sollen. Mehr als 6000 Läufer waren in diesem Jahr unterwegs, auf 4 mal 4000 Metern, auf zehn Kilometern und im Halbmarathon.

Läufer statt Jets – für Anwohner wohl die beste Lösung. Erst gut 3000 von 26 000 Haushalten haben auf Flughafenkosten Schallschutzfenster einbauen lassen. Weitere 6000 bekamen Geld als Entschädigung.

Ausflugsziel: Berlin wäre nicht Berlin, schlüge man aus der Blamage nicht Kapital. Tausende Menschen buchen jedes Jahr Touren über die Baustelle. Zehn Euro kostet die Bustour „Erlebnis BER“. Rund 14 000 Besucher gab es nach Betreiberangaben im vergangenen Jahr. „Höhepunkt der Tour ist der Ausstieg im Terminal und die Besichtigung des Check-in-Bereiches“, wirbt die Flughafengesellschaft.

Auch für Radfahrer gibt es Touren um das Terminal. Fotografieren ist ausdrücklich erlaubt.

Möbellager: Unter Folie und Staub: Seit Jahren stehen die Wartebänke an den Gates ungenutzt herum. Vor drei Jahren fand sich für einen Teil der Sitzmöbel doch schon eine Verwendung: Die Berliner Verwaltung kaufte die Bänke für eine neue Registrierungsstelle für Flüchtlinge. Den Flughafen selbst als Flüchtlingsunterkunft zu nutzen, lehnten die Betreiber ab. Aus Sicherheitsgründen und weil er eben noch Baustelle ist.

Lkw-Testfeld: Die Bahn-eigene Spedition DB Schenker und der Lkw-Bauer MAN testen, wie ihre Fahrzeuge möglichst effizient im Konvoi fahren können.

Filmkulisse: Die 18-Jährige Cindy lebt im Flughafen-Vorort Schönefeld. Im Leben der Außenseiterin geht ebenso wenig voran wie auf der Großbaustelle – bis sie den Flughafen-Ingenieur Leif trifft. 2014 machte der Kinofilm „Schönefeld Boulevard“ (2014) den BER zur Filmkulisse – eine Zeit, in der auf der Baustelle kaum etwas voranging, wie Berlins Regierungschef Michael Müller (SPD) später zugab.

Inzwischen scheint der Weg zur Eröffnung klar – sofern nicht ein neues Technikproblem aufploppt, wie so häufig. „Wann kommst du wieder nach Schönefeld?“, fragt Film-Cindy ihren Flughafen-Ingenieur. „Hängt von den Problemen ab.“ – „Dann hoffe ich, dass ihr wieder Probleme haben werdet.“